Hundephysiotherapie

Einige Hundebesitzer haben bereits einen oder mehrere Termine mit ihrem Liebling bei einem Hundephysiotherapeuten hinter sich, andere wiederum mussten diese Dienstleistung noch nie in Anspruch nehmen. In den meisten Fällen ist es so, dass man sich erst einen Physiotherapeuten sucht, wenn ein Problem beim Hund besteht. Nur wenige gehen zur Prävention in eine Therapie mit ihrem vierbeinigen Begleiter.

In Behandlung muss der Hund meist aufgrund von Schmerzen in Muskeln, Gelenken, Knochen oder der Wirbelsäule. Die Erkrankungen zeigen sich oft durch Lahmheit oder einer veränderten Gangweise beim Hund. In der Physiotherapie kann dann gezielt der Ursprung dieses Leidens behandelt werden. Mit Hilfe von individuellen Übungen und manuellen Techniken können zusätzlich die Schonhaltungen aus einer Lahmheit wieder gelöst werden.

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Stellung des Hundes in der heutigen Zeit

Unsere Haushunde haben in der vergangenen Zeit einen immer höheren Stellenwert eingenommen. Wir behandeln sie als vollwertige Familienmitglieder, Freunde oder Begleiter und versuchen alles zu tun, damit es ihnen gut geht. Früher haben die Menschen meistens Hunde nur für die Arbeitsbeziehung (Jagd-, Hüte- und Wachhunde) gehalten und dies oft nur ausserhalb des Hauses. Wenn ein Hund seine Arbeitsleistung nicht mehr erbringen konnte, wurde dieser aussortiert und ein Nachfolger musste her. Man hatte damals noch keine spezialisierten Tierärzte, geschweige denn Physiotherapeuten für Hunde. Mit dem Wandel der Zeit und dem veränderten Stellenwert des Hundes in einer Familie, gilt er heute als treuer Weggefährte. Für Kinder ein Familienhund nicht nur ein Spielpartner, sondern er trägt auch viel zur gesunden, emotionalen und geistigen Entwicklung der Kinder bei. Hunde werden in allen möglichen Bereichen eingesetzt, wo Menschen an ihre Grenzen kommen, wie beispielsweise als Arbeitshunde (Therapiehunde, Assistenzhunde, Blindenführhunde, Lesehunde usw. – in unserer Blogreihe «Arbeitshunde» erfahrt ihr mehr darüber).

Diese Veränderung des Stellenwerts hat einen enormen Einfluss auf das Angebot an Dienstleistungen für Hunde in der heutigen Zeit. So auch auf die gesundheitlichen Möglichkeiten wie beispielsweise die Hundephysiotherapie.

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Die Beweggründe für einen Besuch bei der Hundephysiotherapie

Es gibt verschiedenste Gründe für einen Besuch beim Hundephysiotherapeuten. Die meisten Hunde gehen jedoch auf Anraten oder einer Überweisung von ihrem Tierarzt in eine Weiterbehandlung beim Physiotherapeuten. 

Wir durften mit Esther Wegelin sprechen, die bereits jahrelange Erfahrung mit der gesundheitlichen und physiotherapeutischen Behandlung von Hunden hat.
Esther ist seit ca. 12 Jahren Hundephysiotherapeutin. Als gelernte MPA (Medizinische Praxisassistentin) und TPA (Tiermedizinische Praxisassistentin) hat sie sich in den letzten 30 Jahren intensiv mit dem Thema Gesundheit befasst. Es war ihr ein Bedürfnis, sich in der Rehabilitation unserer 4-Beiner mehr einzubringen, um deren Regenerationszeit positiv zu beeinflussen, daher hat sie eine Zusatzausbildung zur Hundephysiotherapeutin gewählt. 
Ihr Kindheitstraum war es, mit Menschen und Tieren zu arbeiten. Diesen Wunsch konnte sie sich sowohl als TPA, wie auch als Hundephysiotherapeutin erfüllen. Sie selbst besitzt einen Viszla und einen Riesenschnauzer. Den Viszla hat sie übernommen und der Riesenschnauzer hat sie seit ihrer Ausbildung zur TPA begleitet.

Was waren bis jetzt deine grössten Erfolge? Gibt es Fälle, wo du gezweifelt hast und dann doch noch viel bewirken konntest?
Esther Wegelin: Für mich ist jeder noch so kleine Fortschritt eines Tieres ein Erfolg. Gerade bei neurologischen Patienten gibt es immer wieder Überraschungen im positiven Sinne.

Was sind die Beweggründe von Kunden, weshalb dessen Hunde zu dir in die Physiotherapie kommen? 
Esther Wegelin: Physiotherapie unterstützt die Hunde präventiv sowie in der Rehabilitation nach Operationen, bei arthrotischen oder auch bei neurologischen Problemen. Bei älteren Hunden kann die Physiotherapie positiven Einfluss auf Stabilisierung und Erhaltung der Muskulatur nehmen. Zusätzlich kann sie auch als Training und Prävention bei Sporthunden sowie bei Junghunde zur Angewöhnung hilfreich sein.

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Tägliche Gegenstände, die den Bewegungsapparat des Hundes beeinflussen

Hierzu zählt beispielsweise das Halsband oder Geschirr, welches wir dem Hund für die täglichen Gassirunden anziehen. Ein gutsitzendes Geschirr oder Halsband kann enormen Genick- und Wirbelsäulenschäden beim Hund vorbeugen. Deshalb ist es wichtig, sich vor einem Kauf gut beraten zu lassen.

Wie siehst du das Thema Halsband oder Geschirr? Was ist besser?
Esther Wegelin: Ich persönlich benutze beides. Je nachdem, wie der Hund gehalten wird, wie er an der Leine läuft ect. Bei kleineren Hunden kann ein schneller Leinenruck fatale Auswirkungen haben. Dort lohnt es sich, immer ein Brustgeschirr anzuziehen. 

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Ein anderer Gegenstand des meist täglichen Gebrauchs, ist das Hundebett. Es gibt eine riesige Auswahl im Fachhandel und wo man je nach Hund entscheiden muss, welches am passendsten ist. Doch auch hier kann auf eine gesundheitsschonende Variante – das orthopädische Hundebett – zurückgegriffen werden. Die Füllung dieser Liegeplätze besteht aus einem viskoelastischen Schaumstoff, welcher sich der Körperform des Hundes anpasst und so die Auflagepunkte druckentlastet.

Was hältst du von orthopädischen Hundebetten?
Esther Wegelin: Grundsätzlich eine gute Sache. Kann aber sein, dass der Vierbeiner sich anders entscheidet.

Hilfsmittel in der Hundephysiotherapie

Das wichtigste Werkzeug eines Physiotherapeuten, ob bei den Menschen oder Tieren, sind seine Hände. Diese Art der Behandlung beinhaltet beispielsweise die «Manuelle Therapie», verschiedene Massagetechniken oder auch unterschiedliche Dehnungsmethoden.

Viele Physiotherapeuten greifen jedoch zu weiteren Hilfsmitteln, die die Fortschritte der Genesung beschleunigen sollen. Ein Gerät, welches in der Hundephysiotherapie häufig angewendet wird, ist das Unterwasserlaufband (Aqua- oder Hydrotrainer). Mit diesem Trainingsgerät wird ein gelenkschonender Muskelaufbau gemacht und die Therapie kann individuell auf die jeweiligen Hunde angepasst werden. Weitere Therapieangebote können beispielsweise die Magnetfeld- und Lasertherapie sein. Beide dieser Methoden können tiefer in die Muskulatur und das Gewebe eindringen, ohne dass es schmerzhaft für den Hund ist. Zusätzlich kann mit diesen Geräten auch eine entzündliche Krankheit behandelt werden.

Welche Hilfsmittel werden bei deinem Beruf häufig genutzt? Welche weniger häufig?
Esther Wegelin: Am meisten arbeite ich mit meinen Händen, sowie Parcourstraining mit Cavaletti, Wackelbrett, Peanut, Donut, Trampolin und zusätzlichen Geräten: Unterwasserlaufband, Elektrostimulation, Laser und einem spezielles Massagegerät.

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Kommen die Hunde gerne zu dir in die Therapie oder gibt es solche, die sich nicht gerne anfassen lassen oder Angst vor den Geräten haben?
Esther Wegelin: Die meisten Hunde kommen gerne in die Physio. Hier gibt es Leckerlis und Spiele 😉. Es gibt aber auch solche, welche sich anfänglich nicht gerne anfassen lassen. Als erstes und wichtigstes gilt es immer, das Vertrauen der Hunde zu gewinnen. Weniger ist manchmal mehr, d.h. für die erste Lektion brauchen wir etwas mehr Zeit (60 min). Ansonsten dauert eine TH 45 min.

Ziele der Hundephysiotherapie

Das wichtigste Ziel einer erfolgreichen Behandlung ist den Schmerz zu lindern oder wenn möglich ganz zu nehmen. Bei einer Schmerzlinderung ist es wichtig, dem Hund die bestmögliche Lebensqualität zurückzugeben, denn Schmerzen können das Verhalten eines Hundes stark beeinflussen. Viele Hunde, die mit Schmerzen leben müssen, erleiden eine Wesensveränderung. Diese fällt meist negativ auf, bevor der Ursprung der körperlichen Beeinträchtigung gefunden wurde. Wenn ein Hund plötzlich ein Verhalten zeigt, welches sein Besitzer als «nicht normal» empfindet, sollte unbedingt ein Termin beim Tierarzt gemacht werden, um allfällige körperliche Probleme auszuschliessen.

Gab es auch schon Hunde, vor denen du Angst hattest? Wollte oder hat dich schon mal ein Hund in der Therapie angegriffen? (z.B. aufgrund von Schmerzen, wenn du ihn anfassen wolltest)
Esther Wegelin: Wenn ich meine Aufmerksamkeit auf das Tier richte, ihm zuhöre und die Therapie entsprechend anpasse, fassen die Hunde Vertrauen und es gibt keinen Grund Angst zu haben. Angegriffen wurde ich bis jetzt noch nie. 

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Vorbeugen ist besser als Heilen

Zum Schluss hat Esther Wegelin (Hundephysiotherapeutin) noch ein paar Tipps, was man bereits zuhause tun kann, um die Gelenke und Muskeln unserer Hunde nicht zu überlasten:

  • Regelmässige Gewichtskontrollen, um Übergewicht vorzubeugen
  • angemessene Auslastung und Belastung unserer Hunde (je nach Alter und Gesundheitszustand; Beratung dazu erhältst du bei uns in der Hundeschule)
  • Bei Sporthunden ist auf ein entsprechendes Aufwärmen und Abkühlen vor und nach den Trainings, sowie Wettkämpfen nicht zu verzichten. 
  • Auf Verschleiss achten: Vorsicht bei Ballspielen, Sprüngen etc.! Nicht übertreiben! Lieber spielerisch das eine oder andere Denkspiel einführen, um den Hund auch mental zu fordern. Man kann auch auf dem Spaziergang Bewegungsübungen einbauen, ohne dass man dafür spezielle Hilfsmittel benötigt (Tipps zu diesen Übungen gibt’s im Hundeschulkurs «Gymnastriks»).
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