Arbeitshunde: Lesehund

Kinder und Hunde haben eine besondere Beziehung zueinander. Wir Erwachsenen sind oft zu verkopft, um eine natürliche Bindung zu Hunden aufzubauen. Kinder sind da anders. Kein Wunder also, dass tiergestützte Therapien immer mehr Anklang finden. Ganz besondere Helfer werden im Therapie Hunde Zentrum Schweizausgebildet. Fritz Roth hat mir mehr von ihnen berichtet. 

Was ist ein Lesehund

Die sogenannten «Lesehunde» sind nicht etwa Hunde, die gerne ihre Nase in Bücher stecken. Es sind Vierbeiner, die Kinder und Jugendliche unterstützen, die Lern- oder Leseschwierigkeiten haben. Viele Kinder haben Mühe den Einstieg ins Lesen zu finden oder kommen nicht so schnell voran wie ihre Mitschüler. Dadurch geraten sie unter enormen Druck und bauen eine Aversion gegen das Lesen auf. Sie werden auf Grund ihrer Defizite häufig gehänselt. Dies führt dazu, dass die Kinder immer gehemmter werden und die Freude am Lesen verlieren. Dadurch stagnieren natürlich auch ihre Fortschritte. Lesehunde können solchen Kindern helfen, das Lesen wieder positiv zu verknüpfen. Ursprünglich kommt die Idee der Lesehunde aus Amerika. Langsam erkennt man aber auch in der Schweiz die vielen Vorzüge dieser Art von Förderung. Schulbehörden nehmen die Unterstützung gerne an und begeistern sich für die Thematik. 

Quelle: Lesehunde.ch

Auswahl

Die Rasse der Lesehunde spielt keine Rolle. Viel wichtiger sind andere Voraussetzungen, die ein Hund mitbringen muss. So sollte er sehr menschen- und vor allem auch kinderbezogen sein. Er muss ein ruhiges, gelassenes Wesen besitzen. Denn Nervosität ist bei der wichtigen Aufgabe fehl am Platz.

Das Mensch-Hund-Team muss eine Einheit sein. Die Verantwortung während der Arbeit liegt stets beim Hundeführer. Er muss darauf achten, dass sich die Kinder aber auch der Hund wohl fühlen. Zudem ist Einfühlungsvermögen seitens des Menschen gefragt. Er unterstütz und hilft den Kindern aktiv, wenn sie Hilfe brauchen. Er muss gut zuhören und erklären können. Da ist oft Fingerspitzengefühl gefragt. 

Wie viele Hunde bilden Sie im Jahr aus?
Fritz Roth: Wir bilden ca. 20 Lesehunde-Teams aus im Jahr.

Ausbildung

Es wird vorab durch Gespräche geklärt, welche Teams wirklich Potenzial haben, in kürzester Zeit ein erfolgreiches Lesehunde-Team zu werden. Die Ausbildung besteht dann aus vier Halbtagen. Da die Ausbildung sich auf das Wesentlichste konzentriert, muss der Hund bereits eine solide Grundausbildung mitbringen. 

Quelle: Lesehunde.ch

Der erste Tag ist ein Schnupper-Meeting, um das Wesen des Hundes kennen zu lernen und die Zusammenarbeit einschätzen zu können. Die anderen drei Blocks beziehen sich auf die fachspezifische Ausbildung. Der Hund muss absolut sicher um Kinder herum sein und darf sich auch nicht durch komische Bewegungen oder Unruhe verleiten lassen. Die Hundeführer lernen unter anderem, wie sie den Hund aus sitzender Position heraus anleiten. Denn die Arbeit findet mehrheitlich im Sitzen statt. Die Hunde lernen den intensiven Kontakt und den Umgang mit fremden Kindern. Bei der Ausbildung aber auch bei der späteren Arbeit behält man immer auch das Tierwohl im Auge. Signalisiert der Hund ein Unwohlsein, wird er aus der Situation geholt. Die Hundehalter müssen ihre Hunde genau kennen und beobachten, um ihre Grenzen zu erkennen. Die Ausbildung gestaltet sich möglichst realitätsnah. Die Ruhe, welche die Hunde brauchen, bringen sie bereits von sich aus mit und muss nicht separat trainiert werden. 

Was ist das schönste Erlebnis, welches Sie bisher hatten mit Lesehunden?
Fritz Roth: Es gibt nicht das schönste Erlebnis. Zu sehen, wie die Kinder durch die Hunde aufblühen und wieder Freude am Lesen entwickeln, ist grossartig. Sie entwickeln eine innige Beziehung zueinander. Jede Sitzung ist etwas Besonderes.

Quelle: Lesehunde.ch

Arbeit

Doch worin besteht nun die eigentliche Arbeit der Hunde? Von aussen sieht es so aus, also würden sie einfach nur da liegen. Klingt nicht wie eine grosse Herausforderung für unsere Vierbeiner. Aber tatsächlich steckt viel mehr dahinter. Die Hunde bringen Ruhe in eine Situation, die für die Kinder vorher Stress bedeute. Mit den Lesehunden zusammen öffnen sich die Kinder wieder und gewinnen neues Selbstvertrauen. Die Hunde sind geduldige Zuhörer, urteilen nicht über die Fähigkeiten der Kinder und zeigen, wie sehr sie die Anwesenheit der Kinder geniessen. Die Kinder können in dieser Situation einfach so sein, wie sie sind. Von aussen darf sich niemand einmischen. 

Durch die warme Ausstrahlung und die Präsenz der Hunde können die Kinder Stress abbauen. Das Streicheln, Anfassen und Anlehnen helfen zusätzlich. Wie ein Fels in der Brandung stehen die Hunde den Kindern bei. Die Hunde ermöglichen es den Kindern und Jugendlichen wieder einen entspannteren Zugang zum Lernen und Lesen zu finden. Es ist eine ruhige Tätigkeit mit grosser Wirkung. Kinder, die sich zuvor ausgeschlossen fühlten, kommen wieder in den sozialen Austausch. 

Quelle: Lesehunde.ch

Die Hunde mögen Kinder, das ist ganz klar. Dennoch erfordert die Situation von ihnen grosse Selbstbeherrschung. Sie dürfen nie impulsiv reagieren. Deswegen ist auch das ruhige Liegen Arbeit für die Hunde und darf nicht unterschätz werden. Sie absorbieren viele unruhige Energie der Anwesenden. 

Die Lesehunde verrichten sowohl in schulinternen als auch in öffentlichen Bibliotheken ihre Arbeit. Solange der Hunde Freude an der Arbeit zeigt und nicht überfordert ist, kann er im Einsatz bleiben. Eine Altersgrenze gibt es nicht. 

Wie lange am Stück kann ein Lesehunde arbeiten?
Fritz Roth: Natürlich ist die Arbeitszeit begrenzt. Ein Hund ist ca. 40 Minuten am Stück im Einsatz. Manchmal kann er, mit einer Pause dazwischen, zwei Einsätze hintereinander leisten. Dies hängt aber vom Mensch-Hund-Team ab. 

Lesehunde erfüllen eine so wertvolle Arbeit und unterstützen viel Kinder und Jugendliche dabei, wieder Freude am Lesen zu entwickeln. Die Ergebnisse und die Erfahrungen sind von unschätzbarem Wert und für mich ein Projekt mit ganz viel Herzblut. Vielen Dank an alle ambitionierten Teams und weiterhin viel Erfolg!

Quelle: Lesehunde.ch

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