Arbeitshunde: Drogenspürhund

Arbeitshunde sind in unserer Welt nicht wegzudenken. In diesem Blog erfahrt ihr mehr über die herausfordernde Arbeit der Drogenspürhunde – auch Betäubungsmittelspürhunde genannt. Ich hatte die Möglichkeit mit Herrn Peter Rohner, dem Leiter des Diensthundewesens der Kantonspolizei St. Gallen, zu sprechen. Seit mehr als 35 Jahren arbeitet er mit Diensthunden. Er setzt sich mit Leib und Seele für seine Schützlinge ein und macht seinen Job mit viel Empathie und Herzblut. Welche Herausforderungen bei jedem Einsatz warten und was ein Drogenspürhund mitbringen sollte, erfahrt ihr hier. 

Junghunde-Gewöhnung im Einkaufszentrum
Quelle: Kantonspolizei St. Gallen, Peter Rohner

Was ist ein Drogenspürhund

Die Polizei bildet zur Unterstützung ihrer Arbeit Hunde aus, die nicht nur als Schutzhunde fungieren, sondern auch auf dem Spezialgebiet der Drogensuche eingesetzt werden können. Hunde können Drogen viel schneller wahrnehmen und lokalisieren als Menschen. Wenn der Hund Betäubungsmittel, und sei es nur eine geringe Menge, ausgemacht hat, zeigt er den Fundort an. So kann die Polizei die Drogen sicherstellen. 

Was ist die Motivation für den Hund hinter der Drogensuche?
Peter Rohner: «Er hat grosse Freude am Stöbern und Suchen. Nach dem Finden wird er mit einem Spiel mit dem Führer oder Futter belohnt. Wichtig ist, dass es für den Hund wirklich eine Belohnung ist, dies kann auch ein ruhiges anerkennendes Streicheln sein.»

Drogen im Auspuff
Quelle: Kantonspolizei St. Gallen, Peter Rohner

Auswahl

Die Auswahl der Hunde, welche als Drogenspürhunde ausgebildet werden sollen, beschränkt sich nicht auf eine spezielle Rasse. Grundsätzlich eignet sich jeder Hund, der einen ausgeprägten Spür- und Stöbertrieb hat, der einigermassen führbar und lernwillig ist. Für das Vorgehen im Einsatz spielt die Grösse des Hundes eine Rolle. Auch auf verschiedenen Untergründen, Hindernissen, Höhen etc. muss er sich wohl fühlen. Das wird allerdings von klein auf Schritt für Schritt geübt. Zudem darf er grundsätzlich weder übermässige Aggression noch Angst zeigen. 

Suchen auf komischen Untergrund
Quelle: Kantonspolizei St. Gallen, Peter Rohner

Bei der Kantonspolizei St. Gallen gibt es nur vereinzelt „reine“ Spezialhunde. Grundsätzlich wird jeder polizeiliche Schutzhund, nach dem bestandenen ostschweizerischen Einsatztest, in einem Spezialfach weitergebildet, dies kann als Drogen-, Sprengstoff- oder Brandmittelspürhund sein. 
Die Welpen werden aus gesunden Arbeitslinienzuchten ausgesucht und wachsen beim Hundeführer auf. Alters- und entwicklungsgerecht kann der Hund bereits kurz nach der Welpenübernahme in der Junghundegruppe einige Übungen mitmachen. Er lernt die ganze Welt im guten Sinn und im eigenen Tempo kennen. Viel Wert wird bei der Ausbildung auch auf das gegenseitige Vertrauen zwischen Hund und Hundeführer gelegt. 
Das Wesen und die Entwicklung des Hundes wird laufend, und vor allem während dem ostschweizerischen Grundkurs (12-18 Mt. alt) durch Wesensrichter beurteilt. 

Junghunde-Gewöhnung im Einkaufszentrum
Quelle: Kantonspolizei St. Gallen, Peter Rohner

Nicht immer entwickeln sich Hunde oder Hundeführer so wie gedacht. Deswegen kann man nicht von Anfang an beurteilen, ob das Gespann geeignet ist für die Polizeiarbeit.  

Was muss ein Hundeführer können, um einen Drogenspürhund zu leiten?
Peter Rohner: «Der Hundeführer muss seinen Hund „lesen“ können. Er muss merken, wenn der Hund krank ist, Erholung benötigt etc. Der Hund ist kein Werkzeug, sondern ein „Mitarbeiter“ und muss dementsprechend behandelt werden.»

Ausbildung

Die Ausbildung der Drogenspürhunde wird immer wieder an neue Erkenntnisse oder Umstände angepasst. Generell beginnt aber die Ausbildung, nachdem der Hund den Einsatztest als Schutzhund bestanden hat. Dann ist der Hund zwischen 2 ½ und 3 Jahren alt. Die Spezialausbildung dauert nochmals ein Jahr. Anschliessend folgt ein Betäubungsmittelspürhunde-Einsatztest, welcher bestanden werden muss. 

Wie viele Hunde bilden Sie im Jahr aus?
Peter Rohner: «Bei der Kantonspolizei St. Gallen bilden wir etwa 2-3 Schutzhunde in einem Spezialgebiet als BmSG (Betäubungsmittelspürhund), SprSH (Sprengstoffspürhund) oder BrmSH (Brandmittelspürhund) weiter.»

Versteck im LKW
Quelle: Kantonspolizei St. Gallen, Peter Rohner

Arbeit

Betäubungsmittel gibt es viele und immer wieder kommen neue dazu. Drogenspürhunde müssen also möglichst viele dieser Drogen zuverlässig identifizieren und anzeigen können. So werden in der Ausbildung die Hunde erst auf Kokain, danach auf Heroin, Amphetamine, synthetische Drogen und zuletzt noch auf Haschisch/Marihuana konditioniert. Wenn ein neuer Stoff auf dem Markt erscheint, wird versucht, die Hunde schnellstmöglich auch auf diesen Stoff zu trainieren. Seit einem Jahr sind die Hunde bei der St. Galler Kantonspolizei auch auf Notengeld konditioniert. Erste Erfolge in Einsätzen wurden bereits verbucht. 

Wie kann sich ein Hund so viele Gerüche merken und gezielt danach suchen?
Peter Rohner: «Nach meinem Wissen, kann ein Hund problemlos auf 30-40 verschiedene Gerüche trainiert werden. Die Leistungsfähigkeit der Hundenase ist unserer Nase um ein Vielfaches überlegen. Zusammen mit der direkten Verbindung ins zuständige Gehirnareal, welches bei Hunden einen grösseren Anteil hat als bei Menschen, kann der Hund gezielt ausgebildet werden.»

Grundsätzlich wird ein Fund immer gleich verwiesen, solange es die Örtlichkeiten zulassen. Wenn hauptsächlich mit Kleinmengen trainiert wird, kann es vorkommen, dass der Hund bei Grossmengen etwas verwirrt wird und nicht sicher ist, wo er anzeigen soll. Solche oder ähnliche Feststellungen motivieren die Verantwortlichen immer wieder die Trainings anzupassen.
Die Einsatzdauer am Stück hängt von vielen verschiedenen Faktoren wie Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Schwierigkeit des Suchbereiches, Kondition des Hundeteams etc. ab. In der Regel wird nach 20 Minuten Sucharbeit eine Pause von 20 Minuten gemacht. Danach kann der Hund noch einmal für 20 Minuten suchen. Anschliessend gibt es eine längere Pause, damit er sich erholen kann. Deshalb werden meistens zwei Hunde eingesetzt, welche sich abwechseln können. Ein Hund sucht, zwei Hundeführer beobachten, danach kommt der andere Hund in den Einsatz und der erste Hund hat Pause.  
Um die Arbeitsbereitschaft und die Zuverlässigkeit zu prüfen, gibt es alle 14 Tage ein Training. So zeigen die Hunde laufend, was sie noch können. Die älteren Hunde suchen meist ruhiger, aber zielgerichteter. 

Die Hunde suchen auch, wenn sie vom Hundeführer gehoben werden.
Quelle: Kantonspolizei St. Gallen, Peter Rohner

An welchen Orten/in welchen Situationen kommen Drogenspürhunde zum Einsatz?
Peter Rohner: «Aus Pietätsgründen suchen wir keine Menschen mit unseren Hunden ab, dies ist Sache der Polizisten. Meistens unterstützen unsere Hunde die Polizei bei Hausdurchsuchungen, dies kann Wohnungen, Häuser, Ställe, Werkstätten und Umgebungen betreffen. Aber auch Bunkersuchen in Feld/Wald und das Absuchen von Fahrzeugen gehören zu unserer Arbeit.»

Die Hunde werden in ihrer Ausbildung so gut es geht auch auf schwierige Situationen vorbereitet, obwohl gefährliche Situationen nur bedingt trainiert werden können. Denn bei der Polizeiarbeit kann es immer wieder brenzlig werden, zum Beispiel durch unerwartete Täterschaft. Peter Rohner berichtet, dass bei Drogensuchen die Hunde schon Personen unter dem Bett und in einem Kasten angezeigt haben, oder haben Übergriffe von Verdächtigen auf die Polizei verhindert. Aber auch auf Gifte, gefährliche Untergründe, Absturzgefahr und Gegenstände muss der Hundeführer achten, denn im Sucheifer kann der Hund Gefahren übersehen oder nicht richtig einschätzen. Am schönsten sei es, wenn der Hund Drogen findet, wo niemand damit gerechnet hat, meint Peter Rohner. 

Kommt es vor, dass Hunde mit der Substanz in Berührung kommen, oder wird eine Distanzanzeige trainiert?
Peter Rohner: «Mit der „Passivanzeige“ kommt der Hund sehr sehr selten in Kontakt mit dem „Stoff“. In meinen über 30-jährigen Einsatzerfahrung kam es zweimal zu einem Unfall. Glücklicherweise ohne negative Folgen für den Hund, da der Hundeführer sofort richtig reagierte.»

Anzeige am LKW
Quelle: Kantonspolizei St. Gallen, Peter Rohner

Freizeit

Natürlich brauchen auch fleissige Drogenspürhunde ihren Ausgleich und ihre Auszeit. Alle Diensthunde gehören den Hundeführern und sind ein Bestandteil ihrer Familien. Dort leben sie wie (fast) ganz normale Hunde. Als vierbeinige Mitarbeiter der Kantonspolizei bekommen sie monatlich ein Futtergeld.

Pensionierung

Im Alter zwischen 9 und 10 Jahren wird in der Regel der kombinierte Schutz- und Drogenspürhund als Schutzhund ausgemustert. Jedoch als Drogenspürhund kann er noch 2-4 Jahre weitermachen, solange dies seine Gesundheit erlaubt. 

Wie merkt man, dass Drogenspürhunde pensioniert werden müssen?
Peter Rohner: «Wenn der Hund körperlich nicht mehr kann. Dass ein Hund nicht mehr will, habe ich noch nie erlebt. Meine eigenen Hunde arbeiteten lange. (Hexe bis 12 Jahre, Ulot bis 11 Jahre und Akira bis 13 Jahre.) Danach durften sie mich noch im Dienst hie und da begleiten und genossen vor allem die Zeit zuhause.»

Anzeige auch in der Höhe
Quelle: Kantonspolizei St. Gallen, Peter Rohner

Drogenspürhunde sind unverzichtbare Hilfen im Kampf gegen die Betäubungsmittelkriminalität. Ihre Ausbildung und Arbeit haben einen hohen Stellenwert. Dass sie einen so erfahrenen und einfühlsamen Ausbildner wie Herr Rohner an der Seite haben, ist ihr grosses Glück. Wir wünschen allen Beteiligten weiterhin viel Erfolg bei der Arbeit! Um noch mehr über die spannende Arbeit zu erfahren, empfehle ich diesen tollen Film

Peter Rohner mit Yukon
Quelle: Kantonspolizei St. Gallen, Peter Rohner

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