Hunde und Kinder

Hunde sind tolle Sozialpartner und Spielgefährten. Gerade auch Kinder können durch den richtigen Umgang mit Hunden so viel lernen. Sie lernen Grenzen zu akzeptieren, Fürsorge, Empathie, Verantwortungsbewusstsein, Respekt vor Lebewesen und deren Bedürfnissen und vieles mehr. Leider kommt es aber immer wieder zu Beissunfällen. Doch diese unschönen Situationen für alle Beteiligten können mit Know-How und dem richtigen Management verhindert werden. 

Hund kommt zum Kind

Ein Hund sollte nie leichtsinnig angeschafft werden. Besonders wenn man bereits die Verantwortung für Kinder hat, will das Halten eines Hundes, was zweifellos noch weitere Verantwortung und andere Ansprüche mit sich bringt, gut überlegt sein. Nicht nur die Haltung eines Hundes ist sehr zeitintensiv, sondern auch die Erziehung. Die Entscheidung, sich einen Hund zu holen sollte immer schlussendlich auf Wunsch der Eltern geschehen. Die meisten Kinder finden Hunde toll und wünschen sich natürlich einen Kuschel- und Spielkumpanen. Aber die eigentliche Arbeit und die Verantwortung bleibt immer an den Eltern hängen. 

Ist die Entscheidung dann gefallen, gilt es, die Familie richtig vorzubereiten. Das schliesst auch mit ein, dass die Kinder Verhaltensregeln genau kennen müssen, damit das Zusammenleben für beide Seiten angenehm wird. 

Bei der Auswahl der richtigen Rasse sollte vieles berücksichtigt werden. Hunde, die sehr gross werden, sind den Kindern körperlich schnell überlegen. Das kann auch schon durch Tollpatschigkeit zu Unfällen führen. Sehr kleine Hunde hingegen sind zerbrechlicher und anfälliger für Verletzungen (z.B. wenn ein Kind auf den Hund fällt). Es gibt die FCI-Gruppe 9, welche die sogenannten Gesellschafts- und Begleithunde auflistet. Rassen aus dieser Kategorie erfüllen sicher schon wichtige Kriterien. Aber auch andere Rassen können sehr gut für die Familienhaltung geeignet sein. Vielmehr als auf die Rasse kommt es auf den richtigen Charakter des Hundes an. Und die sind auch innerhalb einer Rasse sehr verschieden. Ein guter Züchter kann den geeigneten Hund für die jeweilige Situation aussuchen. Der Hund sollte bestenfalls von klein auf mit Kindern gut sozialisiert werden und positive Erfahrungen sammeln dürfen. 

Im Idealfall sind die Kinder schon etwas grösser, damit man ihnen den richtigen Umgang mit dem Hund erklären kann. 

Kind kommt zum Hund

Wohnt der Hund bereits im Haushalt und es kommt ein Kind dazu, lohnt es sich ebenfalls bereits vor der Ankunft des Kindes das Training mit dem Hund zu beginnen. Er sollte zum Beispiel ruhig auf seinem Platz warten können. Das Laufen mit dem Kinderwagen will auch gelernt sein. Teils haben Hunde Angst vor so einem Gefährt. 

Ist das Kind dann da, muss der Hund lernen, dass er sich nicht um das Kind kümmern muss. Das umgeht man vor allem dadurch, dass man ihn auf Distanz hält. Auch der Mythos, dass man dem Hund eine Windel des Babys nach Hause bringen soll, hält sich leider sehr hartnäckig, kann aber sehr unangenehme Folgen haben. Dann nämlich, wenn der Hund einen Beschützerinstinkt oder einen Ressourcenanspruch für das Kind entwickelt. Gut sozialisierte Hunde tun sich meistens nicht schwer mit der Integration des Babys. Aber die neue Aufmerksamkeitsverteilung (plötzlich ist jemand anders im Mittelpunkt) kann Hunde durchaus irritieren. Auch stellt das Verhalten der kleinen Kinder Hunde oft vor Herausforderungen. Dann zum Beispiel, wenn sie beginnen sich fortzubewegen. Das Krabbeln und das schwankende, unsichere Gehen können Hunde zum Teil nicht richtig einschätzen. Und auch der Trubel, der ein Kind verursacht, kann manchem Hund zu viel werden (Lärm, Geschrei, Herumrennen, Dynamik).

Grundregeln

Es müssen von Anfang an einige Regeln beachtet werden, um ein stressfreies und problemloses Zusammenleben zu ermöglichen. 

Hund:

  • Beisshemmung: Der Hund muss eine gute Beisshemmung besitzen oder es von klein auf lernen. 
  • Kraft: Der Hund darf das Kind nicht körperlich bedrängen.
  • Gehorsam: Der Hund muss einen guten Grundgehorsam haben. 
  • Massregelung: Der Hund muss das Kind nicht erziehen und somit auch nicht massregeln. 
  • Rückzugsort: Der Hund braucht einen Rückzugsort, an dem er sich ausruhen darf. 
  • Impulskontrolle: Der Hund muss über eine gute Impulskontrolle verfügen, damit er sich auch beim Kind zurücknehmen kann und nicht einfach seinen Impulsen nachgeht.

Kind:

  • Schlaf: Der Hund braucht seine Ruhe. Deswegen sollte man schlafende Hunde nicht stören.
  • Erschrecken: Einen Hund zu erschrecken ist nie eine gute Idee. Aus einer Angst- oder Überforderungssituation heraus kann ein Hund unangenehm reagieren. 
  • Necken: Das Kind darf den Hund nicht nerven, quälen oder ihn umsonst locken. 
  • Jagd: Man sollte keine Rennspiele mit dem Hund machen, das könnte leicht sein Jagdverhalten triggern. 
  • Schutz: Nicht nur der Hund braucht manchmal Schutz vor den Kindern, auch umgekehrt muss man immer schauen, damit es keinem zu viel wird. 
  • Ressource: Der Hund darf dem Kind nichts wegnehmen (Spielzeug oder Essen), umgekehrt aber auch nicht. 

Generell gilt, dass man den Hund und das Kind nie unbeaufsichtigt zusammenlassen sollte. So schnell ist etwas passiert, das man nicht mehr rückgängig machen kann. Auch ist es wichtig zu beachten, dass man Warnsignale des Hundes immer ernst nimmt und diese schon früh erkennt. Leider gibt es sehr viele verantwortungslose Menschen, wie dieses Video und viele andere beweisen. (ab Minute 3 ohne Worte, krönender Abschluss Minute 5.30) Der Hund ist dem Kind körperlich meistens überlegen. Deswegen darf es nie zu einem Kräftemessen kommen. Bei Kindern kommt erschwerend hinzu, dass der Hund oft auf Kopfhöhe ist. So sind besonders Verletzungen im Gesicht schnell passiert, entweder durch die Zähne aber auch Pfotenhiebe, welche oft nur spielerischen Charakter haben. 

Zusammenleben

Auch andere Punkte müssen unbedingt beachtet werden, damit das Zusammenwohnen harmonisch und gefahrenfrei abläuft. 

Hygiene spielt dabei ein wichtiges Thema. Denn Hunde bringen Bakterien ins Haus. Das ist nicht weiter schlimm, im Gegenteil. Denn das fördert die Abwehrkräfte der Menschen. Aber gerade bei kleinen Kindern mit einem noch schwachen Immunsystem sollte man Vorsicht walten lassen und den Hund regelmässig entwurmen oder auf Ungeziefer kontrollieren lassen. Auch das Ablecken von Gesicht und Händen ist nicht empfehlenswert.

Kinder ab einem gewissen Alter lassen sich wunderbar in den Hundealltag miteinbinden. Zum Beispiel können kleinere Kinder den Wassernapf nachfüllen. Auch Übungen unter der Anleitung und Aufsicht von Erwachsenen machen den Kindern und den Hunden Spass. So lernen sie sich besser kennen und die Kinder lernen spielerisch den verantwortungsvollen Umgang mit dem Hund. Auch Spaziergänge kann man spannend gestalten mit Kindern und Hunden. Allein die Kinder mit dem Hund spazieren lassen, ist aber keine gute Idee. Nicht nur weil auch der eigene Hund plötzlich ein Problem haben könnte, welches die Kinder nicht allein lösen können. Man muss auch bedenken, dass es immer Situationen mit anderen Menschen oder Hunden geben kann, welche Kinder nicht regeln können, zum Beispiel, wenn der eigene Hund angegriffen wird. 

Hundeschulung für Kinder

Der Hund ist omnipräsent in unserer Gesellschaft. Aber Unwissenheit führt zu Unsicherheit. Und so kommt es, dass Kinder oft einen falschen oder gar keinen Umgang mit Hunden erlernen. Deswegen gibt es Organisationen, welche sich der Aufklärung in diesem Bereich widmen. Sie besuchen Kindergärten oder KITAs, um den Kindern die richtigen Verhaltensweisen mit einem Hund beizubringen und um ihnen das Verhalten der Hunde zu erklären. So eine Organisation ist zum Beispiel «Prevent a Bite» im Kanton Zürich. Natürlich werden die Hunde speziell für den Umgang mit Kindern geschult. Gerade auch Kinder, welche Angst vor Hunden haben, können so positive Erfahrungen sammeln. 

Kinder und Hunde können beste Freunde werden, wenn man ein paar Regeln beachtet. Es gibt bestimmt kaum was Schöneres für Kinder als mit einem treuen Vierbeiner aufzuwachsen. Beim Zusammenleben gilt aber immer «Vorsicht ist besser als Nachsicht».  

Best buddies

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