Impulskontrolle

Das Wort Impulskontrolle kommt bereits in vielen Blog-Beiträgen vor und ist auch immer wieder im Training ein Thema. Deswegen ist es nun an der Zeit, dass wird das genauer durchleuchten.

Was ist Impulskontrolle?

Das Wort in einem Satz zu erklären, finde ich schwierig. Denn es hat verschiedene Facetten. Hauptsächlich geht es darum, dass der Hund seine Handlungen und Emotionen kontrollieren kann. Er soll Reizen nicht impulsiv nachgeben, sondern erlerntes Alternativverhalten zeigen. Auch gefragt ist Impulskontrolle, wenn ein Hund ein Verhalten beenden soll um ein anderes zu zeigen.

Klassisches Vorstehen, der Hund riecht, hört oder sieht etwas Interessantes.

Impulskontrolle spielt sich im präfrontalen Cortex ab. Dort werden unter anderem die Emotionen reguliert.

Impulskontrolle ist wie eine Bremse. Man muss sie pflegen, warten denn sonst nutz sie sich ab. Oft wird sie auch mit einem Glas voller Murmeln verglichen. Am Anfang ist das Glas voll. Mit jeder Situation, die Impulskontrolle erfordert, entnimmt man dem Glas Murmeln. Irgendwann ist das Glas leer. Dann kann keine Impulskontrolle mehr geleistet werden. Man muss das Glas erst wieder auffüllen. Das bedeutet, Impulskontrolle ist endlich. Um das Glas wieder aufzufüllen, muss der Hund sich ausruhen und erholen können.

Einflussfaktoren

Die Impulskontrolle wird von diversen Faktoren beeinflusst und ist nicht bei jedem Hund gleich. Folgende Einflüsse können auf die Reizbarkeit deines Hundes wirken und entsprechend mehr oder weniger Kontrolle von ihm erfordern.

Der Hund soll dem Beutetrieb nicht nachgeben.

Bei Junghunden befindet sich das Gehirn unter Revision. Gerade im präfrontalen Cortex werden die Synapsen-Verbindungen neu angelegt und gefestigt. Rassen haben je nach Temperament die Tendenz hektisch und impulsiv zu reagieren und pushen sich in stressigen Situationen schneller hoch. Andere Rassen kann man kaum aus der Ruhe bringen. Natürlich unterscheiden sich die einzelnen Charaktere innerhalb einer Rasse auch voneinander. Verhaltensprobleme bedeuten Stress. Und unter Stress kann man nicht klar denken. So geht es auch unseren Hunden. Dann spielen auch der Trainingszustand und die Tagesform eine Rolle. Unten findet ihr noch nützliche Tipps, wie man am besten an der Impulskontrolle arbeitet. Die Umgebung und die damit verbundenen Reize sind natürlich ausschlaggebend dafür, wie oft der Hund Impulskontrolle zeigen soll und sind somit sehr wichtige Faktoren.

Wann wird Impulskontrolle benötigt?

Wie oben erwähnt, braucht ein Hund Impulskontrolle jedes Mal, wenn er einem Reiz nicht impulsiv nachgeben soll. Wenn ihr mal den Tagesablauf durchgeht, ist das ziemlich oft. Denn wir leben in einer Gesellschaft, die impulsive Handlungen von Hunden nicht toleriert. So darf ein Hund zum Beispiel nicht einfach über die Strasse rennen, weil es auf der anderen Seite besser riecht oder jagen gehen. Dies fängt bereits bei den Vögeln im Park an. Er soll den halben Burger unter der Parkbank oder das Käsestücken, welches uns in der Küche auf den Boden fällt, nicht einfach runterschlingen.

Das Aufscheuchen von Vögeln wird leider oft belächelt. Dennoch ist es eine Jagdabsicht.

Den Radfahrer soll er nicht verfolgen und die nette Oma nicht anspringen. Wenn sich die Wohnungstür und der Kofferraumdeckel öffnen, darf der Hund nicht einfach los düsen und nach Lust und Laune baden gehen ist auch nicht angebracht. Besonders bei Kindern ist Vorsicht geboten. Der Hund darf nicht einfach nach dem Ball in der Hand schnappen oder das Kind stoppen, wenn es losrennt. Der Klassiker, Hundebegegnungen, verdeutlichen, wie schwer es für einen Hund sein kann, sich zurückzunehmen. Nicht auf Pöbeleien einzugehen und zu akzeptieren, dass nicht mit jedem Hund gespielt wird, erfordern sehr viel Impulskontrolle.

Impulskontrolle bei Kindern ist unterlässlich.

Folgen

Wenn sich das Glas Murmeln langsam leert, leidet die Konzentrationsfähigkeit. Denn die Ablenkungen rundherum haben plötzlich mehr Kraft. Das Nachdenken wird schwieriger und somit nimmt das impulsive Handeln langsam Überhand. Da auch die Frustrationstoleranz sinkt, könnt ihr euch das Chaos im Hundehirn vorstellen.

Training

Bedenkt, dass gerade im Training viel Impulskontrolle gebraucht wird. Der Hund muss geduldig warten, bis er an der Reihe ist und muss den hohen Energiezustand der anderen Hunde aushalten. Und wenn er dann selber an der Arbeit ist, soll er alles andere drum herum ausblenden. Bei einer Suche nach einem Gegenstand heisst das zum Beispiel, dass er alle andere Gerüche zwar wahrnehmen, ihnen aber nicht folgen darf.

Die gute Nachricht ist, dass Impulskontrolle ein Stück weit trainierbar ist. Ein Hund muss Impulskontrolle lernen. Dies passiert nicht über Nacht, aber es lohnt sich. Wichtig zu wissen ist, dass Impulskontrolle nicht per se generalisiert werden kann. Das heisst, nur weil der Hund gelernt hat vor dem Napf zu warten, kann er das nicht automatisch auch, wenn ein Kaninchen vorbeirennt. Da Impulskontrolle je nach Situation einem Hund viel abverlangen kann, sollte man sich beim Training bewusst sein, was wirklich zählt und wo man Impulskontrolle etwas vernachlässigen kann.

Übungen

Folgende Übungen bieten sich im Alltag an, um die Impulskontrolle zu verbessern. Achtet auf den Trainingszustand eures Hundes und geht in kleinen Schritten vor. Ablenkungen und Schwierigkeitsstufen sollten erst allmählich gesteigert werden. Gebt dem Hund die Chance, viele Erfolgserlebnisse zu haben.

  • Warten an der Haustüre: Sei es bevor man Gassi geht, oder wenn man vom Spaziergang nach Hause kommt.
  • Futternapf: Den Futternapf auf Kommando freigeben
  • Ein- und Aussteigen: Wenn der Kofferraum aufgeht ist das kein Freifahrtschein
  • Spiel mit Artgenossen: Der Abruf aus dem Spiel mit anderen Hunden kann entscheidend sein, stellt aber auch für viele eine grosse Herausforderung dar, da das Spiel natürlich sehr selbstbelohnend ist.
  • Spielzeug: Wird ein Spielzeug geworfen, soll der Hund warten, bis er geschickt wird.
  • Position halten: Ein Sitz oder Platz trotz Ablenkung durch andere Leute, Lärm oder andere Hunde. Die Konzentration liegt auf euch.
  • Futtersuche: Ein paar Leckerli im Laub verstecken und den Hund zwischendurch immer wieder aus der Suche abrufen.
  • Futter/Spielzeug: Das Futter und Spielzeug erst auf Freigabe nehmen.
Position halten

Tipps

Mit diesen zusammenfassenden Tipps gelingt es euch, erfolgreich Impulskontrolle mit eurem Hund zu üben.

  • Trainiert nur, wenn es nötig ist. Das Murmelglas leert sich auch sonst über den Tag hinweg.
  • Setzt Prioritäten und überlegt, in welchen Situationen Impulskontrolle für euch wichtig ist.
  • Impulskontrolle muss sich für den Hund richtig lohnen. Erstellt hierfür eine Belohnungsliste und überlegt euch, was wirklich belohnend ist für euren Vierbeiner (Futter, Spiel, Aufgabe, Streicheleinheiten…)
  • Timing ist das A und O. Der richtige Moment muss bestätigt werden, damit der Hund das Alternativverhalten (z.B. warten oder zurückkommen) lernen kann.
  • Passt die Schwierigkeitsstufe dem Hund anpassen. Haltet zu Beginn den Reiz tief (Abstand, Länge der Übung, zusätzliche Ablenkung).

Ich wünsche euch viel Erfolg und Spass beim Training!

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