Longieren

Die meisten Menschen haben schon irgendwann mal etwas vom Longieren mit Pferden gehört. Der Mensch steht in der Mitte und führt das Pferd an einem langen Seil im Kreis. Er dreht sich an Ort und Stelle mit dem Pferd mit und gibt dem Pferd das Tempo vor.

Longieren bei Pferden kennt man schon lange…

Man vermutet, den Uhrsprung vom Longieren mit Hunden aus der Treib- und Hütearbeit. Vor allem bei Besitzer:innen von Hütehunden und Schafen sieht man dieses Training auch noch heute. Dazu werden Schafe in einen eingezäuntem Kreis geführt, die Hunde lernen zu Umkreisen, zu Stoppen und die Richtung zu wechseln.

Mittlerweile wurde das Longieren auch zu einer beliebten Hundesportart, da es eine eher schnell zu erlernende Auslastung- und Trainingsmöglichkeit mit unendlichen Variationen für Hund und Mensch ist.

Bei sehr aktiven Hunden, welche ein grosses Laufbedürfnis haben, ist Longieren eine gute Alternative zur körperlichen Auslastung. Halter:innen von ruhigeren Hunden sollen jetzt nicht denken das sei nur was für aktive oder hibbelige Hunde geeignet. Im Gegenteil, einer der wichtigsten Bestandteil ist die Kommunikation zwischen Hund und Mensch.

Ein Windhund beim Rennen komplett vom Boden abgehoben.

Die Körperausrichtung, die Energie, die Blickrichtung der Augen, die An- und Entspannung des Hundehalters, sind beim Longieren massgebend für den Hund. Zum einen soll der Mensch lernen, den Hund auf Distanz positiv zu beeinflussen, vor allem aber soll der Hund lernen, trotz der Entfernung Kontakt zu seinem Menschen zu halten. So wird unteranderem die Aufmerksamkeit gegenüber dem Hundehalter gefördert.

Jemanden der das Longieren nicht kennt denkt sich vielleicht: „Wie langweilig, ein bisschen im Kreis gehen“. Aber dem ist nicht so! Für das Training muss es nicht immer ein Kreis sein. Es gibt verschiedene Formen die beim Longieren erarbeitet werden können:

  • Viereck
  • Rechteck
  • Ovalform
  • eine Acht
  • uvm.

Wie ihr erahnen könnt, ist man beim Longieren nicht fix gebunden.

Der grobe Aufbau

Wir brauchen dazu einen Kreis mit einem Durchmesser von ca. 10m. Ist dieser abgesteckt, können wir mit dem Training starten.

Brigitte mit Jane beim Longiertraining.

Am Keis angelangt setzt man den Hund aussen ab. Nur der/die Hundebesitzer:in geht in den Kreis mit dem Gesicht zum Hund. Danach geht das Team gemeinsam los. Zu beginn kann noch mit Hilfen wie z.B. der Leine geübt werden. Der Hund bleibt immer ausserhalb des Kreises. Möchte der Hund in den Kreis hinein kommen, schickt der Mensch ihn körpersprachlich raus, somit lernt der Hund die räumlichen Grenzen kennen.

Nach ein paar Metern stoppt der Mensch, dreht sich mit dem Gesicht zum Hund und bleibt stehen. Mit Unterstützung von Handzeichen gibt der/die Hundehalter:in dem Hund z.B. den Befehl «Sitz». Danach geht es weiter in die entgegen gesetzte Richtung damit der Hund seine Körperhaltung auch verändern kann.

Kürzere Laufziele machen dem Hund anfangs mehr Spass und der/die Halter:in kann so auch ruhig an seiner/ihrer Körpersprache arbeiten. Zu Beginn ist der Mensch nah am Kreis und verändert die Distanz zum Hund nur schrittweise. Der Hund lernt so Stück für Stück mit der veränderten Distanz umzugehen und ausserhalb des Kreises zu bleiben.

Sobald der Mensch in der Mitte des Kreises steht und einzig körpersprachlich den Hund am Kreisrand in Bewegung hält, verändern sich die Bewegungen des Menschen. Wenn das Grundprinzip für Hund und Halter:in verstanden und geübt wurde, gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten um zu unterschiedlich zu Trainieren. Nebst Sitz, Platz, Steh und Stopp gibt es Seitenwechsel, über Hürden, auf Podeste. Es kann mit mehr als einem Kreis, mit grösseren oder kleineren Kreisen, mit unterschiedlichen Distanzen von Objekten, weiter weg vom Kreis und wieder zurück an den Kreis, mit 2 Hunde gleichzeitig und noch viel kreativer gearbeitet werden. Auch die Tempoänderungen auf Signal d.h. Schritt, Trab und Galopp kann mit eingebunden werden.

Longieren mit Cavalletti in der Trainingshalle der Hundeschule Blickwinkel.

Vorzugsweise wird das Training mit der Gangart Trab gestartet, da der Hund im Trab durch die Geschwindigkeit weniger abgelenkt ist und er den Fokus auf den/die Halter:in besser behalten kann. Den der Hund weiss nie was als nächstes kommt. Dadurch wird auch die Bindung und Beziehung zu einem Menschen verstärkt.

Ihr seht, es gibt so viele Möglichkeiten die Hunde mit wenig Aufwand auszulasten. Für den Körper des Hundes ist das Longieren eine grosse Vielfältigkeit und macht richtig viel Spass. Es gibt einem auch im Alltag mehr Möglichkeiten, einfache Übungen zu trainieren. Wir können sogar mit Hunde die Mühe haben mit Reizen welche für sie Stress erzeugen positiv Trainieren. Menschen, andere Hunde oder viele weitere Reize können mit einbezogen werden. Interaktives Longieren eignet sich sehr um Konflikte für den Hund zu lösen um ihm Reizstabilität zu vermitteln und um aktiv gegen Stressoren zu werden. Den durch Bewegung wird die Muskulatur aktiviert und unteranderem der Stress besser abgebaut.

Unterschiedliche Methoden und Ziele beim Longieren

Es gibt verschieden Arten wie man Longieren kann, denn je nach Trainingsziel kann so auf das Hund-Mensch-Team die Methode angepasst werden:

  • Beschäftigungslongieren: Mit Einsatz von Hürden und/oder mehreren Hunden gleichzeitig
  • Freilongieren: Keine Kennzeichnung des Kreises
  • Kooperatives Longieren: Vertiefung der Bindung zwischen Hund und Hundeführer:in durch erweiterte Kommandos und Vergrösserung des Kreises
  • Koordinatorisches Longieren: Einbau von äusseren Reizen/Ablenkungen, um den Fokus auf Hundeführer:in zu vertiefen
  • Longieren mit Tabuzone: Der innere Kreis ist für den Hund Tabu
  • Longieren ohne Tabuzone: Es gibt kein Tabu aber der Hund wird nur für das Laufen am Aussenrand belohnt bzw. bestätigt
  • Tricklongieren: Einsatz von mehreren Kreisen, Formen und Tricks während dem Longieren

Für welche Hund-Mensch-Teams ist das Longieren denn geeignet ?

Für praktisch alle. Es braucht hierfür keine Vorkenntnisse. Optimal ist, wenn der Hund einige Grundkommandos kennt. Da jedes Hund-Mensch-Team individuell trainiert wird und immer auf die jeweiligen Bedürfnisse ein gegangen wird, finden auch ältere und beeinträchtigte Hund-Mensch-Teams eine Auslastung für Körper und Geist.

Denn das wichtigste: Durch diese Zusammenarbeit wird nicht nur gemeinsam trainiert, sondern auch die Bindung, Beziehung und Kommunikation zwischen Hund und Mensch an vielen Stellen bereichert. Wir lernen unseren besten Freund und uns selber noch besser kennen. Ohne Zwang, Druck und lauten Worten. Mit Spass und Freude können wir zusammen die ganze Vielfalt von dieser wunderbaren Beschäftigung erleben.

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