Erziehung oder Beziehung? Beides!

Der Hund ist der beste Freund des Menschen, sagen viele. Das kommt wohl daher, dass der Hund für einige Menschen von grossem Nutzen sein kann und dass Menschen und Hunde eine Beziehung verbindet, welche so kaum ein anderes Tier zaubern kann. Hunde sind treue Weggefährten. Sie sind Sozialpartner, Trostspender, Fitness- und Motivationstrainer, Begleiter und Wächter. Sie nehmen den Menschen so, wie er ist. Hunde interessiert es nicht, wie man aussieht oder wie viel Geld man hat. Das Einzige, was den Hund interessiert, ist, wie man mit ihm umgeht. 

«Egal wie wenig Geld und Besitz du hast, ein Hund zu haben macht dich reich.» Louis Sabin

Aber wie entsteht eine Beziehung zum Hund, und was macht sie aus? Welche Rolle spielt Erziehung dabei und braucht es sie überhaupt?

Beziehung

Eine gute Beziehung ist unkompliziert, harmonisch und entspannt. Alle beteiligten Parteien fühlen sich wohl und haben ihren Platz gefunden. Beziehungsaufbau steht ganz oben auf der Liste bei den Mensch-Hunde-Teams. Da Hunde domestizierte Tiere sind, haben sie eine gewisse genetische Prägung für das Zusammenleben mit dem Menschen. Es gibt Hunde, die etwas eigenständiger sind als andere. Aber sie sind durchaus dafür gemacht, mit dem Menschen zusammen zu leben. 

Wichtig in einer Mensch-Hund-Beziehung sind Dinge, die uns allgemein in Beziehungen wichtig sind. Zuverlässigkeit, Vertrauen und Ehrlichkeit erwartet auch der Hund von uns.

Viele Menschen missverstehen aber das Wort «Beziehung». Beziehung hat nichts mit Geld oder Materialismus zu tun. Nur weil man dem Hund immer das neuste Spielzeug kauft oder das beste Futter anbietet, heisst das nicht, dass man eine Beziehung zum Hund hat. Beziehung basiert auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt. Hunde sind davon abhängig, dass wir uns um sie kümmern und ihnen ein artgerechtes, friedliches Leben bieten. Der Hund muss sich darauf verlassen können. Das kann er, indem der Mensch den Hund durch das Leben führt. Leider ist das Wort «Führung» in den letzten Jahren stark in Verruf geraten. Führung heisst nicht, dass man den Hund klein macht oder er funktionieren muss wie eine Maschine. Führung heisst, dass man dem Hund die Welt zeigt und dass man ihm Sicherheit gibt, aber auch, dass man den Hund als Hund sieht. Beziehung baut darauf auf. 

«Du bekommst nicht den Hund, den du brauchst, sondern du bekommst einen Hund, WEIL du ihn brauchst.» Anna Meissner

In jeder Beziehung gibt es Spielregeln. Es muss klare Linien geben. Der Hund muss wissen, was er darf und was nicht. So kann er sich auf den Menschen verlassen und sich an ihm und seinen Regeln orientieren. Oft werden Regeln als Einschränkung gesehen. Aber eigentlich helfen sie dem Hund, sich frei innerhalb eines vorgegebenen Rahmens zu bewegen. Der Hund weiss, woran er ist. So kann er vertrauen und eine Beziehung zum Menschen aufbauen. Es gehört aber auch viel Verständnis von Seiten des Menschen zu einer guten Mensch-Hund-Beziehung und eine klare Kommunikation. Hunde reagieren nicht emotional oder berechnend. Sie sind nicht nachtragend, sondern leben ihre Instinkte aus im Hier und Jetzt. Sie kommunizieren ehrlich, spiegeln das Verhalten des Menschen. Um in unserer Welt klarzukommen, brauchen Hunde eine zuverlässige Person, die eine beständige Beziehung anbietet. Ambivalentes Verhalten verunsichert einen Hund und er wird kein Vertrauen fassen können. Die Beziehung lebt von gemeinsamen Erlebnissen. Viel positiv Erlebtes schweisst zusammen, dies gilt auch beim Hund.

Oft resultiert ein Fehlverhalten aus einer fehlenden oder fehlerhaften Beziehung zwischen Mensch und Hund. Somit kann man mit Recht sagen, dass Beziehung ein zwingender Faktor für das Zusammenleben zwischen Menschen und Hunden ist. 

Erziehung

Wenn jemand einen Hund bekommt, fragt man sich oft, wann man mit der Erziehung beginnt. Die einzig richtige Antwort ist «sofort». Klar muss der Hund die Zeit bekommen, sich einzugewöhnen und alles kennenzulernen. Hunde werden aber von Stunde Null an erzogen. Es beginnt bereits im Wurf. Die Mutterhündin, aber auch die Geschwister untereinander setzen Grenzen und sagen, was erlaubt ist und was nicht. Erziehung ist also nichts Neues für den Hund und auch kein vom Menschen erschaffenes Konstrukt. Der Hund soll also von Anfang an Spielregeln lernen, die das Zusammenleben bedingen. In unserer Welt muss der Hund sich anpassen und so verhalten, dass er nicht negativ auffällt. 

Die Definitionen von Erziehung variieren sehr stark. Erziehung beinhaltet immer eine soziale Interaktion, bei der die Bedürfnisse und die Persönlichkeit des zu Erziehenden berücksichtigt werden müssen. Ziel dabei ist die Integration in die bestehende Gesellschaft. Diese Definition von Erziehung zeigt, dass sie immer sozial und sehr individuell ist. Ergibt auch Sinn, denn nicht jeder Mensch und nicht jeder Hund ist gleich. 

Auch Hunde müssen wir in unsere Gesellschaft einführen unter unserer Aufsicht. Dabei können wir seine Fähigkeiten nutzen aber auch seine Persönlichkeit respektieren und ressourcenorientiert arbeiten. 

Eine klare Abgrenzung sollte man machen zwischen Erziehung und Lerntheorien (z.B. klassische Konditionierung). Lerntheorien helfen bei der Erziehung. Reines Ausführen von Kommandos ist aber keine Erziehung. Das Verhalten des Hundes in der Welt ohne ständige verbale Instruktion seitens des Menschen, das zeigt die Erziehung. 

In der Erziehung darf man Konflikte nicht scheuen. Der Mensch muss dem Hund klare und konsequente Grenzen setzen. Das ist nicht zu verwechseln mit Härte. Grenzen setzen heisst bestimmt aber dabei ruhig sein. Die Leitplanken, welche man dem Hund mit seiner Erziehung setzt, geben ihm schlussendlich die Sicherheit, die er braucht, um sich sicher durch den Alltag zu bewegen. 

Fazit

Was war denn nun zuerst? Beziehung oder Erziehung? Genauso gut könnte man fragen das Huhn oder das Ei? Denn das eine bedingt das andere. Ohne das eine gibt es das andere nicht. Der Hund braucht eine verlässliche, authentische Bezugsperson. Jeder Hund ist anders und verlangt vom Menschen eine andere Handhabe. Man kann nichts von Hunden verlangen, was sie nicht sind oder was sie nicht leisten können. Sie sind Sozialpartner, können aber keinen Menschen ersetzen. Eine Beziehung kann man dennoch aufbauen. Die braucht es auch für ein erfülltes Zusammenleben – für beide Seiten. Beziehung und Erziehung gehen Hand in Hand. Sie ergänzen sich und bringen den Mensch-Hund-Teams das grösste Gut: Sich gemeinsam frei zu fühlen und dennoch zusammen zu sein. 

«Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund.» Hildegard von Bingen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.