Körpersprache

Aufbauend auf unserem Blog über Kommunikation möchten wir hier die Körpersprache der Hunde etwas genauer unter die Lupe nehmen. Denn leider geistern immer noch viele Mythen und Missverständnisse umher, welche die körpersprachliche Ausdrucksweise des Hundes betreffen. 

Unter der Körpersprache betrachtet man immer Mimik und Gestik. Wichtig ist ausserdem, dass man immer die Gesamtheit des Hundes betrachtet und sich nicht auf eine Körperstelle beschränkt, und die Handlung im Kontext anschaut. Nur so lassen sich die richtigen Rückschlüsse ziehen. Man betrachtet immer mindestens drei Kommunikationsunterarten, um ein Verhalten richtig zu deuten. 

Erfahrungsgemäss gibt es leider viele Hundehalter, die ihre Hunde überhaupt nicht lesen und einschätzen können. Und erschreckenderweise dadurch auch ihre eigenen Hunde oder sich selbst in Gefahr bringen. Wie wenig ernst wir zum Teil das Ausdrucksverhalten unserer Hunde nehmen, zeigt dieses traurige Video.

Mimik

Zur Mimik zählen alle Regungen im Kopfbereich. 

  • Kopf
  • Stirn
  • Ohren
  • Augenbrauen
  • Augen
  • Nase
  • Nasenrücken
  • Fang
  • Zähne
  • Zunge
  • Ober- und Unterkiefer
  • Wangen
  • Lefzen

Gerade in diesem Bereich spielen sich in der Kommunikation viele Feinheiten ab, die wir Menschen nur beim genauen Hinschauen wahrnehmen können. Zugegeben braucht es ein geschultes Auge, um nichts zu verpassen. Doch unsere Hunde geben uns jeden Tag die Gelegenheit, unsere Beobachtungsfähigkeit zu trainieren. Ein kurzes Lecken über die Nase oder den Fang und vermehrtes Blinzeln sind zum Beispiel Beschwichtigungssignale oder ein Zeichen von Überforderung, welche von den meisten Menschen nicht wahrgenommen und übergangen werden. 

Gestik

Zur Gestik zählen alle Ausdruckssignal des gesamten Körpers.

  • Körpertonus
  • Kopf
  • Hals
  • Vorderhand (Pfoten, Beine, Schultern)
  • Rücken
  • Hinterhand
  • Rute
  • Fell
  • Körperausrichtung
  • Gangbild

Das menschliche Auge ist oft nicht für Feinheiten geschult. Aber selbst die etwas offensichtlichere Gestik der Hunde wird sehr oft übersehen oder falsch verstanden. 

Mythen

Schwanzwedeln: Einer der grössten Mythen ist wohl, dass Menschen immer glauben, dass ein schwanzwedelnder Hund sich freut. Es kann durchaus ein Zeichen von Freude sein. Primär ist es jedoch ein Ausdruck einer erhöhten Erregungslage. Das heisst, auch ein unsicherer, aggressiver Hund kann mit dem Schwanz wedeln. Die ganze Körperhaltung ist in diesem Fall aber ganz anders. 

Geduckte Haltung: Sehr oft begegnen uns leider Hunde, die sich geduckt und schleichend nähern. Oft hört man dann den bekannten Satz «Er will nur spielen.». Dieses Verhalten hat aber so gar nichts mit einem Spiel zu tun. Das damit verbundene Anstarren und Fixieren ist eine eindeutige Drohgebärde. 

Vorne runtergebeugt: Eindeutiges Spielverhalten! Leider nein. Springt der Hund dann noch um den andern Hund herum, denken die meisten Menschen, das muss jetzt aber ein Spiel sein. Es stimmt zwar, dass eine Tiefstellung des Vorderkörpers eine Spielaufforderung sein kann. Dies muss aber nicht immer zutreffen. Genauso gut kann es sich um die Konfliktlösungsstrategie «Fiddle and Flirt» handeln. Hier muss man auch wieder genau auf die Ausdruckweise des ganzen Körpers achten, um das Verhalten richtig zu interpretieren.

Zähne zeigen: Ein Hund, der seine Zähne zeigt, ist aggressiv. Das stimmt nicht in jedem Fall. Es gibt tatsächlich auch Hunde, die grinsen. Das kommt in Situationen vor, über die sie sich sehr stark freuen, Dann ziehen sie vorne die Lefzen hoch, so dass man die Schneidezähne sehen kann, wie wenn wir Zähne zeigen beim Grinsen. Sieht sehr lustig aus. Dazu kommt oft ein weicher, wackelnder Körper und ein wandelnder Schwanz.

Wir Menschen beobachten zwar viel aber interpretieren auch sofort. Dabei schwingen aber oft unsere eigenen Emotionen mit. Wenn wir anhand neutralen Beobachtungsindikatoren interpretieren würden, kämen wir oft zu einem anderen Ergebnis. Wenn zwei Hunde aufeinandertreffen, sollten wir nicht nur unseren eigenen Hund, sondern auch die Reaktion des anderen immer im Auge behalten. Ich habe zum Beispiel die Erfahrung gemacht, dass dem Verhalten meines Hundes kaum Beachtung geschenkt wird von anderen Hundehaltern. Mein Hund zeigt schon früh, wenn er einen Hund sieht, dass er unsicher ist und eigentlich in den meisten Fällen keinen Kontakt wünscht. Das wird aber von anderen Hundehaltern stets ignoriert. Das geht so weit, dass mein Hund schon schreiend und mit eingeklemmtem Schwanze weg wollte von einem Hund, der andere Besitzer aber keine Anstalten machte, seinen Hund zurückzurufen. Viele unserer Hunde haben leider das höfliche Kommunizieren untereinander etwas verlernt. Das liegt daran, dass Besitzer sie oft einfach machen lassen, nach dem Motto «Die klären das unter sich.» und sie sogar dazu auffordern immer frontal und ungebremst in Situationen zu gehen. 

Kommunikation unter Hunden sieht oft dramatischer aus, als es in Wirklichkeit ist. Man sollte aber verständnisvoll und rücksichtsvoll agieren, seinem eigenen Hund, aber auch fremden Hunden gegenüber. Will dein Hund wirklich «nur spielen» und will das der andere auch? Nur wenn man das hündische Verhalten lernt zu deuten, kann man in entsprechenden Situationen richtig handeln. 

Wie fit seid ihr im Beobachten und Deuten der hündischen Kommunikation? Testet euch selbst:

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