Konzentration

Wir kennen es doch selbst. Nach einem anstrengenden Tag oder nach einer intensiven hirntechnischen Leistung brauchen wir erst einmal eine Verschnaufpause und müssen den Kopf lüften und uns ausruhen. Dennoch muten wir unseren Hunden zum Teil so viel zu und verlangen viel zu viel, ohne uns darüber Gedanken zu machen. 

Der Fokus liegt auf dem Menschen, das Training kann losgehen.

Konzentration ist keine Leistung, die jeden Tag gleich ist. Und sie ist endlich. Das heisst, man kann ein gewisses Kontingent an Konzentration aufbringen. Ist dieses Kontingent aber erschöpft, ist auch die Konzentration weg. Das Kontingent lässt sich wieder aufladen, indem man sich ausruht oder dem Gehirn eine Pause gönnt. Wie lange das Aufladen dauert, ist sehr individuell. 

Sich konzentrieren macht müde.

Konzentration ist ausbaufähig. Junge Hunde können sich noch nicht so lange am Stück konzentrieren wie ein erwachsener Hund. Aber auch erwachsene Hunde müssen durch Training lernen, sich auf etwas zu fokussieren und andere Reize auszublenden. 

Wann der Hund konzentriert ist, erkennt man an seiner Körperhaltung und an seinem Blick. Die Augen sind wach und der Körper hat eine gewisse Grundspannung. Ein konzentrierter Hund muss aber nicht nervös sein, im Gegenteil. Ein gut konzentrierter Hund ist eher ruhig und bedacht. 

Ein Hund konzentriert sich oft nicht nur dann, wenn wir es aktiv von ihm verlangen, z.B. im Training. Auch wenn wir unterwegs sind, achtet der Hund auf so viele Dinge. Am besten liegt der Fokus natürlich auf dem Besitzer. Das verlangt aber auch viel Konzentration. So kann es sein, dass einem Hund das schwerer fällt, wenn er sich schon lange konzentrieren musste. In diesem Fall können Aussenreize weniger gut ausgeblendet werden. Mit steigender Konzentration werden die kognitiven Fähigkeiten des Hundes erweitert. Sie bieten dem Hund ein umfangreicheres Verhaltensspektrum, mit dem er seiner Umwelt souveräner begegnen kann. Hat der Hund gelernt, seine Konzentration zu kanalisieren, lässt er sich im Alltag, in reizvollen Situationen, nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Er entwickelt eine höhere Toleranz.

Junge Hunde können sich noch nicht so lange am Stück auf etwas konzentrieren.

Gründe für einen Mangel an Konzentration sind vielfältig. Der Hund hat nie gelernt, sich zu fokussieren, die Trainingsschritte waren zu gross, die Ablenkung zu stark oder es könnten Unwohlsein oder eine Krankheit dahinterstecken. Aber auch Über- oder Unterforderung können Ursachen für eine geringe Konzentrationsleistung sein. 
Gerade bei jungen Hunden sollten Trainingseinheiten lieber öfter dafür kürzer sein. Sukzessive kann die Dauer eines Trainings gesteigert werden. Zu beachten ist immer auch die Tagesform des Hundes. 

Auf dem Spaziergang muss der Hund sich oft auch konzentrieren.

Steadiness, das heisst das Abwarten, ist wie eine Grundlage für Konzentrationsübungen. Denn hat ein Hund nicht gelernt abzuwarten, fällt es ihm auch schwer, seine Konzentration zu kanalisieren. Blickkontakt halten ist eine beliebte Konzentrationsübung. Wie alle Übungen sollte diese kleinschrittig aufgebaut werden. Lernt der Hund sich auf den Menschen zu fokussieren, kann er später auch durch schwierigere Situationen gelotst werden, ohne dass er abschweift und sich durch die Umwelt ablenken lässt. Aber auch Kommandos erlernen braucht Konzentration. Hierbei muss der Hund das Gesprochene und Gezeigte des Menschen mit der eigenen Aktion verknüpfen und speichern. Was immer wieder unterschätz wird, ist die Nasenarbeit. Bei der Nasenarbeit oder auch beim «normalen» Schnüffeln auf dem Spaziergang riecht und differenziert der Hund so viele Gerüche. Diese muss er alle entsprechend einstufen und verarbeiten. Um einem bestimmten Geruch zu folgen und alles andere auszublenden, braucht der Hund höchste Konzentration. Dies ermüdet den Hund entsprechend schnell. Ungewohnte Umgebungen, wie zum Beispiel die Stadt, können den Hund leicht überfordern. Es sind viele Eindrücke, welche permanent verarbeitet werden müssen. Fremde Gerüche, viele Menschen, neue Wege, hohe Gebäude, permanenter Lärm, laute Geräusche, ungewöhnlicher Untergrund und nebst all dem soll der Hund sich noch auf den Besitzer konzentrieren, schauen, dass er schön an der Leine geht und allem ausweicht. 

Blickkontakt halten – eine Konzentrationsübung

Auch wenn es für uns manchmal auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist, weil wir die Welt anders wahrnehmen als ein Hund, sollten wir uns dennoch Gedanken dazu machen, ob der Hund im Moment gerade in der Lage ist, sich zu konzentrieren oder ob er bereits zu müde ist dafür. Wir sollten nichts vom Hund verlange, was er nicht leisten kann. Deswegen gilt Konzentration langsam aufbauen, immer wieder auch an fremden Orten üben und dem Hund genügend Zeit geben, seine Reserven wieder aufzutanken. 

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