Arbeitshunde: Hirtenhund

Arbeitshunde: Hirtenhund

Myriam Koller
6.10.22

In unserer Arbeitshunde-Rubrik geht es weiter mit einer speziellen Gattung, die immer seltener wird. Es handelt sich dabei um Hirte- oder Schäferhunde. Aussterbend sind sie deshalb, weil gerade der Beruf des Wanderschäfers auch immer seltener wird. Nicht nur ist es eine sehr anstrengende, harte Arbeit, auch die heutigen Umstände mit der dichteren Besiedlung machen den Job herausfordernd und für viele unattraktiv. Dennoch gibt es immer noch ein paar engagierte Schäfer, die mit den Herden im Winter durchs Land ziehen und den Sommer auf der Alp verbringen. Diese haben auch immer ihre treuen Helfer, die Hunde, mit dabei.

Was ist ein Hirtenhund

Man unterscheidet zwischen Treibhunden, Herdenschutzhunden und Schäferhunden. Bei den Schäferhunden unterscheidet man zudem die Herdengebrauchshunde und die Koppelgebrauchshunde.

Treibhunde: Sind ursprünglich dazu gezüchtet worden, um Tierherden von einem Ort zum andern zu treiben. Sie gehen nicht zimperlich um mit den Tieren und scheuchen sie mit Bellen, Körperpräsenz und Zwicken vorwärts. Beispiel: Australian Shepherd, Australian Cattle Dog, Rottweiler

Robust, hartnäckig, kompakt – Australian Cattle Dog

Herdenschutzhunde: Ihre Aufgabe ist es, die Herde zu bewachen und zu verteidigen. Es sind grosse, starke und widerstandsfähige Hunde, die ihre Aufgabe sehr ernst nehmen. Beispiel: Kuvasz, Kangal, Pyrenäenberghund

Koppelgebrauchshunde: Sie treiben Schafe zusammen oder weg, dies vor allem auf Koppeln oder im Pferch. Mit ihnen kann man auch Herden an andere Orte verlegen. Die Hunde schauen dabei, dass die Herde zusammenbleibt, und holen Ausreisser wieder zurück. Beispiel: Border Collie

Herdengebrauchshunde: Diese Hunde begleiten die Herden auf der Wanderschaft. Sie pendeln beim Laufen immer an den Seiten auf und ab. Damit bewirken sie, dass die Herde zusammenbleibt und nicht zu breit wird. Auch Flächen, die nicht betreten werden dürfen, zum Beispiel bepflanzte Felder, können so vor ungewollter Übernahme der Herde geschützt werden. Beispiel: Deutscher Schäferhund, Altdeutscher Hütehund, Holländischer Schäferhund

Auswahl

Natürlich kann eine Rasse nicht nur für das eine eingesetzt werden. Meist sind die Hunde immer für alle Arbeiten verantwortlich. Das heisst, sie sind für den «Transport», den Schutz und den Zusammenhalt der Herde verantwortlich. Hunde, die ursprünglich für die Arbeit mit Herdentieren gezüchtet wurden, sind allesamt sehr arbeitsfreudig, ausdauernd, robust und hartnäckig. Border Collies sind zudem sehr sensibel. Man sollte sich also gut überleben, wenn man sich für eine solche Rasse als Familienhund interessiert, ob man ihm auch gerecht werden kann, und was die Bedürfnisse und Triebe dieser Hunderassen sind.

Für Hirten sind alle Rassen durchaus tolle Begleiter. Manchmal sind es nicht reinrassige Hunde, die den Hirten begleiten. Die Mischlinge vereinen die verschiedenen Talente ihrer Eltern. Wichtig ist, dass der Hund die Herde nicht jagt, sondern nur treibt und hütet. Und er muss einen guten Gehorsam und eine hohe Arbeitsfreude mitbringen. Gelehrig sind im Normalfall alle.

Ausbildung

Der Hirte übernimmt die Ausbildung meist selbst. So wachsen er und der Hund von klein auf als Team zusammen. Denn die Bindung spielt eine grosse Rolle, wenn man tagtäglich mit seinem Hund unterwegs ist und auf ihn bei der Arbeit angewiesen ist. In der Regel sind bereits erfahrene Hunde bei der Herde, von denen sich der neue Hund einiges abschauen kann. Er bleibt aber vorerst beim Hirten und darf noch nicht an der Herde arbeiten. Zuerst muss er Ruhe lernen, Frust aushalten und zuschauen (wäre eigentlich bei unseren Hunden nicht anders). Nach ein paar Monaten darf er dann für kurze Einsätze zur Herde. Besonders das Ablaufen der Herde und das Pendeln beim Treiben, auch «wehren» genannt, wird geübt. Viele Hunde zeigen das gewünschte Verhalten aus eigenem Antrieb. Ansonsten läuft der Hirte mit dem Hund mit und zeigt ihm, was von ihm verlangt wird. Je mehr Erfahrung der Hund hat, desto zuverlässiger wird er als Begleiter und Arbeitshund. Die Ausbildung kann mehrere Jahre dauern, bis der Hund alles zuverlässig erledigt.  

Arbeit

Beim Hirtenhund ist vor allem das Zusammenhalten der Herde, das Einholen von ausgebüxten Tieren und das Voranbringen der Tiere wichtig. Wenn die Tiere friedlich weiden, haben die Hunde eine Verschnaufpause. In der Nacht müssen Wanderherden eingezäunt sein in der Schweiz. Das heisst, dass die Herdengebrauchshunde dann ebenfalls Ruhezeit haben.

Die Arbeit verlangt aber dem Menschen und auch seinen Hunden einiges ab. Schliesslich ist man bei jeder Witterung den ganzen Tag draussen unterwegs. Im Flachland ziehen die Wanderherden immer im Winter umher. Das bedeutet, die Hunde müssen extrem widerstandsfähig und robust sein, damit sie die Temperaturen aushalten. Das Schöne ist aber, dass sie ihre Bedürfnisse voll befriedigen können. Sie dürfen noch ihren ursprünglichen Zweck erfüllen und können ihre Triebe ausleben. Zudem haben die Schäferhunde in der Regel eine sehr enge Beziehung zu ihrem Hirten und auch zur Schafsherde. Sie sind oftmals der einzige Sozialpartner für eine lange Zeit und werden entsprechend geschätzt. Mit einer Herde durch die Landschaft zu ziehen wäre ohne Hunde gar nicht möglich. Die Hunde ersetzen einige menschliche Arbeitskräfte und sind daher sehr wertvoll. Beim Umzug von einem Platz zum nächsten, treiben die Hunde von hinten und begrenzen auf den Seiten durch Furchen laufen die Herde.

Verhaltensregeln

Wanderhirten beklagen, dass sie zur heutigen Zeit nicht mehr in allen Gebieten weiden können, weil es teilweise einfach zu viele Hunde hat. Es sollte für alle Hundehalter selbstverständlich sein, dass man den eigenen Hund nicht zur Herde lässt, ihn anleint und einen möglichst grossen Bogen machet. Denn die Tiere reagieren sensibel auf Hunde und können sich erschrecken und fliehen. Auch die Schäferhunde können sich bedroht fühlen und die Herde in Gefahr sehen und entsprechen auf fremde Hunde aggressiv reagieren. Damit also alle Beteiligten friedlich leben können, bitte die folgenden Punkte beachten.

  • Hund anleinen und nicht zur Herde lassen
  • Herde grossräumig umgehen