Motivation

Hunde sind wahre Geschenke. Jeden Tag stehen sie auf, sind gut gelaunt und zeigen uns, dass wir im Moment leben sollen und dass es sich nicht lohnt, in der Vergangen herumzuwühlen. Sie bringen eine grosse Motivation mit. Auf Lateinisch bedeutet der Begriff «movere», von welchem das Wort Motivation stammt, so viel wie bewegen. Der Antrieb also, wieso etwas ausgeführt wird. Dafür gibt es zahlreiche Motive. Jeder hat seine eigenen Motive und ist auch für andere Sachen motiviert. Man unterscheidet generell zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation. 

Intrinsische Motivation

Die intrinsische Motivation kommt von innen heraus. Der Hund ist von Natur aus motiviert, etwas zu tun. Oft geht es darum, grundlegende Bedürfnisse oder überlebenswichtige Triebe zu befriedigen. Es macht dem Hund Spass und führt etwas einfach für sich und sein Wohlbefinden aus. Es handelt sich also um Eigenmotivation. Durch das Handeln wird Dopamin ausgeschüttet. Dieses Gefühl wird immer wieder angestrebt und demnach die Handlung auch wiederholt. Dazu gehört auch selbstbelohnendes Verhalten, wie zum Beispiel das Jagen. Verhalten, welches aus einer intrinsischen Motivation heraus erfolgt, muss nicht primär beigebracht werden, ist aber eine der besten Arten einen Hund zu belohnen. Denn etwas, was der Hund gerne macht, kann auch als Belohnung eingesetzt werden. Hier ein kleines Beispiel. Wenn der Hund bei einer Hundebegegnung an der Leine sich gut auf den eigenen Besitzer konzentriert hat, anstatt den anderen Hund anzupöbeln, kann man ihn anschliessend die Geruchsspur des fremden Hundes erkunden lassen auf die Freigabe hin. Schnüffeln ist generell für viele Hunde eine sehr hochwertige Belohnung. Aber auch andere natürliche Verhalten wie Buddeln, Freilauf, Sozialkontakt, Zuwenidung oder Suchspiele befriedigen Bedürfnisse der Hunde, machen ihnen Spass und belohnen sie. 

Mein Hund liebt es zum Beispiel versteckte Gegenstände zu suchen. Das Ganze ist eigentlich nichts anderes als Jagen. Das Suchen, Aufspüren und Apportieren der Gegenstände widerspiegeln eine jagdliche Sequenz. Mein Hund, ein Jagdhund, ist intrinsisch motiviert, diese Arbeit zu verrichten. Es geht ihr nicht primär um die Belohnung, welche sie am Schluss bekommt, obwohl sie diese zusätzlich gerne annimmt. Bei der «Jagd» wird Dopamin ausgeschüttet. Somit belohnt sie sich schon während der Aufgabe selbst. Sie braucht also keine Motivation von aussen, um diese Arbeit zu erledigen. 

Extrinsische Motivation 

Die extrinsische Motivation wird von aussen beeinflusst. Es geht darum, eine Belohnung zu bekommen oder eine Bestrafung zu vermeiden. So kann ein Verhalten entsprechend beeinflusst werden. Kriegt ein Hund eine Belohnung für ein bestimmtes Verhalten, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass er das Verhalten vermehrt zeigen wird, weil er sich eine Belohnung davon verspricht. Vielfach belohnen wir unsere Hunde zum Beispiel mit Futter. Die Motivation des Hundes wird also von uns beeinflusst. Für das Futter zeigt ein Hund dann auch ein Verhalten, welches für ihn keinen Sinn ergibt, zum Beispiel Sitz oder Platz. 

Wieso ist Motivation so wichtig?

Menschen sind manchmal der Ansicht, dass ein Hund einfach hören muss. Egal, ob er motiviert ist oder nicht. Es ist doch aber viel schöner, wenn ein Hund gerne mit uns arbeitet. Und dazu gehört einfach, dass sich ein Verhalten auch lohnt. Wie oben erwähnt, machen viele von uns verlangten Sachen für den Hund keinen Sinn. Umso wichtiger ist es, dass er etwas Positives daraus zieht. Dadurch steigt seine Motivation, mit uns zu arbeiten. Ohne Zwang funktioniert die Zusammenarbeit viel besser. Und auch für den Hund muss sich ein Verhalten lohnen. Gerade Dinge, die aus extrinsischer Motivation heraus getan werden, welche dem Hund nichts bedeuten, müssen entsprechend belohnt werden. Wir verlangen auch Lohn für unsere Arbeit. Denn vieles tut ein Hund nicht, weil er es als sinnvoll für sich erachtet, sondern weil wir es von ihm verlangen.

Die intrinsische und extrinsische Motivation schliessen sich übrigens nicht gegenseitig aus. Bei uns ist es ja auch so, dass wir einerseits arbeiten, um Geld zu verdienen. Andererseits macht uns die Arbeit (hoffentlich) auch Spass und befriedigt uns innerlich. 

Eine Belohnungsliste hilft dabei, die Motivatoren im Training aber auch im Alltag sinnvoll einzusetzen. Mit kleinen Hilfsmitteln kann man oft grosses bewirken. 

Zum Schluss möchte ich erwähnen, dass die Einstellung des Menschen einen grossen Einfluss auf die Motivation des Hundes haben kann. Ist der Mensch selbst nicht motiviert und nur halb bei der Sache, wird sich auch ein Hund schwer tun, sich für etwas zu begeistern. Hunde arbeiten oft gerne mit dem Menschen zusammen. Wir sind seine Sozialpartner, wir erleben vieles zusammen, das stärkt die Bindung. Und diese Bindung erlebt ein Hund gerne. Seid also authentisch, wenn ihr etwas von eurem Hund verlangt. Und wenn ihr gerade keinen Sinn fürs Training habt, dann lasst es sein. Euer Hund merkt genau, ob ihr auch motiviert seid oder nur so tut. 

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