Mehrhundehaltung

Ein Hund zu haben, ist etwas Tolles. Und zwei Hund bringen folglich doppelt so viel Freude. Dies kann durchaus zutreffen. Doch es gilt einige Dinge zu beachten, bevor man die Sippe vergrössert. Nützliche Tipps findet ihr zwischendurch von einer passionierten Hundekennerin. Auch bei ihr leben mehrere Hunde mit in der Familie.

Ein bunt gemischter Haufen.

Rudel, oder eben doch nicht?

Der Trend geht in den letzten Jahren ganz klar zur Mehrhundehaltung. Hunde brauchen ausreichend Sozialkontakte und sind sogenannte «Rudeltiere». Deswegen ist der Gedanke, mehr als einen Hund zu halten durchaus naheliegend. Man sollte sich aber im Klaren sein, dass strenggenommen ein Rudel nur bei blutsverwandten Hunden besteht. Was also oft umgangssprachlich als Rudel bezeichnet wird, ist meistens gar keins (schon gar nicht, wenn man die Menschen dazu zählt). Mehrere Hunde in einem Haushalt und ihre Menschen bilden einen «Sozialverbund». Hunde, die nicht zusammen wohnen, sich aber gut kennen und ab und zu gemeinsam unterwegs sind, nennt man Meute. 

Voraussetzungen

Wenn ein weiterer Hund den Sozialverbund erweitern soll, muss man über die Konsequenzen Bescheid wissen. Wie immer vor einem Hundezuwachs sollte man sich ehrlich folgende Fragen beantworten:

  • Habe ich genügend Zeit?
  • Habe ich genügend Platz?
  • Habe ich die finanziellen Mittel für einen weiteren Hund (Futter, Tierarztkosten, Hundeschule, Hundesteuer, Fremdbetreuung, Haftpflichtversicherung, Pflege, Ausstattung…)?
  • Habe ich die Nerven und die Kraft für einen zusätzlichen Hund?

Gerade was die Zeit angeht, unterschätzen viele Hundehalter den Aufwand. Denn ein weiterer Hund läuft nicht einfach so mit. Man muss sich gezielt auch alleine mit ihm beschäftigen. Und gerade bei Welpen kann man die Bedürfnisse mit einem erwachsenen Hund schlecht kombinieren. Dies bedeutet eine doppelte Belastung in der Anfangsphase. 

TIPP 1: Einzelstunden einplanen! Nicht jeder Hund tickt gleich und wenn immer alle Hunde zusammen sind, zieht sich einer eher zurück und der andere fordert dann umso mehr ein. Von Einzelstunden profitiert auch der Hund, der nicht im eigentlichen Training ist. So lernt er allein zu bleiben und kann auch mal in Ruhe entspannen.  

Die meisten Mehrhundehalter würden bezeugen, dass die Vergrösserung von einen auf zwei Hunde die grösste Umstellung ist. Jeder weitere Hund wird einfacher. Dennoch darf man nicht ausser Acht lassen, dass auch jeder weitere Hund eine weitere Verantwortung bedeutet. 
Sicher ist, dass ein zusätzlicher Hund bestehende Probleme nicht löst, sondern eher verschlimmert. Bevor man sich also einen weiteren Hund zulegt, sollte man sichergehen, dass der bestehende Sozialverbund gut funktioniert.

Ein ähnliches Energielevel ergänzt sich toll.

Den geeigneten Hund finden

Der neue Hund sollte zur Familie passen, zu den Menschen aber auch zu den bereits vorhandenen Tieren. Ein Hund, der den anderen Hunden im Charakter ähnlich ist, kann man später sicher einfacher gemeinsam mit den anderen beschäftigen, da sie ähnliche Bedürfnisse haben. Weisen die Hunde unterschiedliche Charaktereigenschaften auf, können sie sich aber auch prima ergänzen. Und vielleicht dürfen sie sogar unterschiedliche Bedürfnisse in der Familie erfüllen (z.B. ein Teil eher sportlich, ein Teil eher gemütlich). Wichtig ist dabei nur, dass ein Hund den anderen nicht überfordert.

Grosse Hunde sollten auch kleinen Hunden gegenüber ein angemessenes Verhalten zeigen.

Soziale Verträglichkeit ist aber von beiden Seiten eine wichtige Voraussetzung. Denn nur so kann ein harmonisches Miteinander entstehen. Es gibt auch Hunde, die einfach keinen weiteren Hund im nahen Umfeld brauchen. In diesem Fall sollte man das respektieren. 

TIPP 2: Eifersucht gar nicht aufkommen lassen! Gerade, wenn ein Welpe ins Haus kommt, sollte man sich fest um den Hund kümmern, der bisher „Einzelhund“ war. Der neue Hund lernt dann auch schnell, dass er nicht das Zentrum des Universums ist. 

Einen weiteren Hund fügt man am besten hinzu, wenn die anderen bereits erwachsen sind und zumindest den Grundgehorsam beherrschen. Vorsicht ist allerdings bei Hunden geboten, die altersgemäss weit auseinander liegen. Ein Welpe kann viel von einem erwachsenen Hund profitieren. Aber einen Jungspund, der sich nicht zu benehmen weiss und den ganzen Tag nur Flausen im Kopf hat, vertragen besonders ältere Hunde oft nicht mehr so gut. Ein Sozialverbund mit einem älteren Hund sollte man dementsprechend nicht mehr unbedingt mit sehr jungen Hunden vergesellschaften, oder aber dafür sorgen, dass der ältere Hund seine Ruhe bekommt und sich nicht ständig gegen den Kleinen zur Wehr setzen muss. So eine Zusammenführung würde für den alten Hund nur Stress bedeuten.Wenn man sich nicht sicher ist, kann man immer eine qualifizierte Fachperson beiziehen. 

Training

Beim Trainieren mit mehreren Hunden gibt es ein paar Dinge zu beachten. Jeder Hund sollte wissen, wann er gemeint ist. So ist der Aufbau des Namens von Anfang an wichtig. Dann können die Hunde unabhängig voneinander angesprochen und dirigiert werden. 

Gemeinsames Training macht Spass!

Hunde sollten zusammen aber auch unabhängig voneinander trainiert werden, dies aus verschiedenen Gründen. 

Training alleine: Der Hund kann sich beim Einzeltraining besser auf den Menschen konzentrieren. So kann an der Mensch-Hund-Bindung gearbeitet werden. Zudem kann man ungestört und im eigenen Tempo an Aufgaben arbeiten. 

Training einzeln: Wenn alle Hunde beim Training dabei sind aber jeweils nur ein Hund am arbeiten ist, fördert es die Konzentration der Vierbeiner. Denn Warten und Aushalten, dass ein anderer an der Reihe ist, ist manchmal eine grosse Herausforderung (Themen Impulskontrolle und Ruhe). Hier kann ein gezieltes Deckentraining gleich eingebunden werden. Zudem erfordert es vom arbeitenden Hund auch Konzentration. Diese sollte auf dem Menschen liegen. Vom Zusehen lernen die Hunde ausserdem immens schnell und profitieren so voneinander. 

Gemeinsam die Welt entdecken.

Training zusammen: Hund können auch gemeinsam trainiert werden. Hierfür braucht es eine noch bessere Beobachtungsgabe und ein tolles Timing des Menschen. Mit etwas Phantasie können kreative Trainingseinheiten entstehen. Das gemeinsame Erlebnis steht hier ganz vorne. Es festigt die Hund-Hund- aber auch die Hund-Mensch-Bindung. 

TIPP 3: Rückzugsort! Gerade Welpen können unermüdlich zum Spiel auffordern. Da sie zuvor mit Geschwister unterwegs waren, die gleich tickten, verstehen sie noch nicht, dass es Hunde gibt, die nicht gleich bei jeder Aufforderung ins Spiel verfallen. Somit muss der ältere Hunde vom jungen Hund geschützt werden. 

Alltag 

Hunde binden sich generell schneller an Artgenossen als an Menschen. Aus diesem Grund muss von Anfang an darauf geachtet werden, dass man, wie oben erwähnt, an der Mensch-Hund-Bindung arbeitet. 

Dass die Hunde voneinander lernen, kann gut zur Erziehung beitragen. In vielen Situationen kann ein erfahrener Hund als Vorbild fungieren. Man darf aber nicht vergessen, dass sie auch schnell Macken oder Fehlverhalten vom anderen abschauen (z.B. Leinenpöbeln). 

Im Alltag müssen klare Strukturen vorgegeben werden. Jeder Hund soll seinen Platz kennen. Jeder Hund braucht einen eigenen Schlaf- und Ruheplatz. Und auch beim Füttern gibt es klare Regeln, damit es nicht zu Futterneid kommt. 

Kuscheln mit dem Hundekumpel gibt Sicherheit.

Bevorzugung führt schnell zu Eifersuchtsszenen. Gerade am Anfang wird der neue Hund unbewusst oft bevorzugt. Speziell bei Welpen ist der Jöh-Faktor riesig und sie brauchen auch mehr Aufmerksamkeit. Die anderen Hunde dürfen aber gerade in dieser Zeit nicht vergessen werden. Durch eine kluge Tagesaufteilung kommt jeder Hund auf seine Kosten. Auch den unterschiedlichen Bedürfnissen der Hunde sollte man als verantwortungsvoller Mehrhundehalter nachkommen. 

Wenn die Hunde verschieden gross sind, muss man aufpassen, dass der grösser den kleineren Hund nicht aus Versehen verletzt (z.B. beim Spielen). Ob Rüden oder Hündinnen besser zusammen passen ist immer sehr individuell. Hält man nicht kastrierte Rüden und Hündinnen gemeinsam, muss natürlich während der Läufigkeit eine gute Lösung gefunden werden, damit beide nicht unnötigem Stress ausgesetzt sind.

Ein Vorteil von der Mehrhundehaltung ist, dass sich die Hunde gegenseitig auslasten. Das gemeinsame Spiel und Erkunden beschäftigt die Hunde artgerecht. Zudem wachsen die Hunde so zu einem eingespielten Team zusammen. 

Gegensätze ziehen sich an.

Was ist, wenn einen Hund stirbt?

Hunde trauern auch, wenn ein Mitglied aus dem Sozialverbund gehen muss. Daher ist es sinnvoll, wenn nicht nur wir Menschen, sondern auch die Hunde sich vom verstorbenen Tier verabschieden können. Wird ihnen das nicht gewährt, verstehen sie nicht, was passiert ist und suchen die ganze Zeit nach ihrem Gefährten. Wenn es die Situation erlaubt, sollte dem Bedürfnis der «Verabschiedung» Folge geleistet werden. Nach einem Verlust kann gemeinsam verbrachte Zeit auf beiden Seiten Wunden heilen. Schöne Stunden tun allen Seelen gut. 

TIPP 4: Vorbild sein! Der älter Hund kann dem jüngeren Hund etwas vorzeigen. Dieses Vorzeigen funktioniert super gut und der junge Hund lernt aus meiner Sicht schneller, als wenn man als Mensch etwas vormacht. Hier noch ein Vorschlag für eine gemeinsame Übung.

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