Timing

Man hört es immer wieder, das Timing ist das A und O in der Hundeerziehung. Doch weshalb ist das eigentlich so wichtig? 

Zuerst muss man verstehen, wie ein Hund lernt. Ein Hund lernt immer kontextbezogen. Zudem werden beim Lernen Verknüpfungen erstellt, welche später wieder abgerufen werden können. So bringt man dem Hund erwünschtes Verhalten und entsprechend auch Kommandos bei. Solche Verknüpfungen entstehen in der Regel nach wenigen Wiederholungen. Und jetzt kommt das liebe Timing ins Spiel. Der Hund lernt jedoch das, was nun mal in dem Moment verknüpft wird. Dass dies nicht unbedingt dem entspricht, was eigentlich das Ziel wäre, sieht man oft im Training. Um dies zu veranschaulichen, gebe ich euch ein Beispiel. 

Der Hund soll sitzen. Das Kommando «Sitz» wird ausgesprochen. Der Hund setzt sich hin. So weit, so gut. Nun möchte der Mensch dies belohnen und zückt ein Leckerchen. Dem Hund geht das zu lange (hallo Impulskontrolle) und hebt den Hintern, um dem Leckerchen entgegen zu kommen und staubt die Belohnung ab. In diesem Moment wird er also nicht fürs Sitzen belohnt, sondern fürs Aufstehen. 

An diesem Beispiel sieht man, dass man mit dem Belohnen sehr genau und auch schnell sein muss, um den richtigen Moment zu erwischen. Die Verknüpfung geschieht zwischen 0.5-1 Sekunde. Spätere Belohnung führt nicht mehr zur gewünschten Verknüpfung. Es ist wichtig, dass die Qualität des Feedbacks stimmt. Denn auch eine zu schnelle oder hektische Belohnung ist nicht zielführend. Der Hund soll merken, wenn er etwas richtig gemacht hat.  

Es gibt zwei Stufen der Belohnung. Einerseits gibt es die primären Verstärker. Damit ist die Befriedigung gemeint, die natürliche Bedürfnisse stillt. (z.B. Nahrung, soziale Kontakte) Wenn man den Hund also direkt belohnt, wird das gerade gezeigte Verhalten verstärkt, weil er so seine Bedürfnisse befriedigen kann. 

Hunde lernen also schnell. Doch das bedeutet leider auch, dass er unerwünschtes Verhalten ebenfalls schnell abspeichert. Ein Grund mehr sehr genau im Timing zu sein. Zudem sollte man darauf achten, dass man lieber ein gutes Verhalten belohnt, als darauf zu warten, dass der Hund ein unerwünschtes Verhalten zeigt. Manche Menschen verpassen diesen Moment leider oft, da besonders am Anfang des Trainings dieses Zeitfenster sehr kurz ist. 

Übung macht den Meister

Richtiges Timing ist nicht jedem in die Wiege gelegt. Aber man kann daran arbeiten. Am besten übt man Timing erst mal ohne den Hund. So dürfen Fehler gemacht werden. Zu zweit ist es am einfachsten, denn so kann der andere ein Feedback geben. 

Übungsbeispiel: Man kann zum Üben einen Ball aufwerfen. Die andere Person soll im Moment, wenn der Ball den höchsten Punkt erreicht hat, «jetzt» sagen. Probiert es aus, es ist gar nicht so einfach. 

Wenn man sich selber filmt, sieht man zum Teil noch besser, wo der Fehler liegt und was man noch verbessern könnte. Mit ein bisschen Übung sollte man schnell Fortschritte erzielen, was dem Hundetraining zugutekommt. 

Ruhiges Verhalten belohnen, bevor ein negatives Verhalten folgt.

Marker 

Nun gibt es auch noch sekundäre Verstärker. Darunter versteht man etwas, das durch einen Lernvorgang mit einem primären Verstärker verknüpft worden ist. Man spricht hier auch von Markern. Ein Marker kann ein Wort, ein Geräusch aber auch eine Geste sein. 

Erst sollte man sich für ein Signal entscheiden. Wählt man ein Wort, ist darauf zu achten, dass es eins ist, das man nicht zu oft im Alltag verwendet. (z.B. «top» oder «yep») Der wohl bekannteste Marker ist der Klicker. Der Vorteil davon ist, dass der Ton immer wertfrei und gleich klingt. Ob ich schlecht gelaunt bin oder nicht, man merkt es dem Ton des Klickers nicht an. Der Nachteil ist, dass man ihn am besten immer mittragen müsste. 

Beim Shapen kann der richtige Augenblick einfach gemarkert werden.

Ein Marker wird aufgebaut, indem man z.B. das Markerwort sagt und gleich darauf eine Belohnung folgen lässt. («Yep» -> Leckerchen) Dies wiederholt man ein paarmal. Das Prinzip entspricht der klassischen Konditionierung. In der Regel versteht der Hund das sehr schnell. Um es aber langfristig zu festigen, sollte der Marker in mehreren Trainingseinheiten etabliert werden. 

Tipp: Normale Klicker haben oft ein sehr lautes Klickgeräusch. Gerade für schreckhafte und sensible Hunde (ja, meiner zählt da auch dazu) kann das Geräusch somit störend sein. In diesen Fällen kann man gut auf einen Klicker zurück greifen, bei dem die Lautstärke reguliert werden kann. (Findet man meistens in der Katzenabteilung im Zoofachhandel)

Später im Training wird der Marker eingesetzt, um dem Hund zu signalisieren, wenn er etwas richtig gemacht hat. Aber Achtung: Der Marker ist KEIN Ersatz für eine Belohnung! Der Marker ist lediglich die Ankündigung für eine Belohnung. Durch die Konditionierung wird das Belohnungsareal im Gehirn stimuliert. Und löst im Hund bereits ein positives Gefühl aus, bevor die direkte Belohnung erfolgt. Somit bringt ein Marker entscheidende Vorteile mit sich. Denn man kann den Hund zielgenauer «vorbelohnen». Ein Klick oder ein Wort kann schneller erfolgen, als wenn man erst das Leckerchen raussuchen und dem Hund geben muss. Das Timing wird genauer. Dies zeigt sich vor allem sehr positiv, wenn man etwas kleinschrittig aufbauen möchte. Mit dem Marker kann man gerade auch beim «Shaping» das richtige Verhalten zielgenau einfangen. Ein weiterer Vorteil ist der Marker beim Training auf Distanz. Wenn der Hund ein Kommando auf Distanz ausführt, wäre man mit jedem primären Verstärker zu spät, bis man beim Hund ist. Ein Marker zeigt dem Hund aber auch auf Distanz an, wenn er etwas richtig gemacht hat. Die Belohnung kann so zeitverzögert erfolgen. 

Es lohnt sich also, an seinem Timing zu arbeiten. Denn ein richtiges Timing führt schneller zum gewünschten Erfolg.

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