Mantrailing

Die irrsinnige Arbeit der Nase und ihre Leistungsfähigkeit wurde bereits im Blog über die Hundenase beschrieben. Diese Grundlagen sind sehr wichtig für die Mantrail-Arbeit. Der Begriff «Mantrail» setzt sich aus den englischen Begriffen «Man» (Mensch) und «Trail» (verfolgen/Spur) zusammen. 
Erst wurden Hunde für die Sucharbeit professionell durch die Polizei ausgebildet. Inzwischen sind solche Hunde weltweit in Rettungshundestaffeln und Polizeicorps im Einsatz. Sie unterstützen die Polizei bei der Suche nach vermissten und verschwunden Personen. 

Mittlerweile findet das Mantrailing aber auch im Hundesport grossen Anklang. 

Auslastung für den Hund

Nasenarbeit jeglicher Art ist generell eine natürliche Auslastung für den Hund. Hunde verfolgen auch in der Natur immer wieder die unterschiedlichsten Spuren, welche sie spannend finden. Dieses Verhalten liefert ihnen laufend Informationen über ihre Umgebung, ihre Rivalen und nicht zuletzt über potenzielle Beute. Das Verfolgen von Spuren liegt Hunden also im Blut und ist für sie das Natürlichste der Welt. Nasenarbeit macht aber nicht nur Spass, sondern ermüdet die Hunde auch geistig enorm. Denn die Verarbeitung und die Kombination der verschiedenen Informationen, sowie das Konzentrieren auf eine bestimmte Sache und das damit verbundene Ausblenden von Ablenkungen verlangt sehr viel von den Vierbeinern. Somit sind die Hunde beim Sporttrailen in der Regel max. 10 Minuten im Einsatz. Danach brauchen sie dringend eine Erholungsphase, da die Arbeit sehr anstrengend ist. Oft wird die Leistung der Hunde unterschätzt, da es leicht aussieht. Für Aussenstehende sieht es so aus, als schnüffle der Hund nur etwas den Weg entlang. Die Prozesse, welche sich im Hundehirn jedoch abspielen sind hochkomplex und fordern die volle Aufmerksamkeit des Hundes. 

Für wen ist Mantrailing geeignet?

Das tolle am Mantrailing ist nicht nur der Fakt, dass es sich hierbei um eine sehr natürliche Art der Auslastung handelt, sondern auch, dass so gut wie jeder Hund mitmachen kann. Egal ob junge oder alte Hunde, körperlich fitte oder beeinträchtigte Hunde, jeder ist willkommen. Mantrailing ist eine Form der Auslastung, bei der weder die Rasse noch die Grösse des Hundes eine Rolle spielen. Trailen kann zudem gelenkschonend gestaltet werden, was der Gesundheit unserer Vierbeiner zugutekommt. Jagdlich motivierte Hunde können ihre Triebe beim Mantrailing gelenkt ausleben. Und auch ängstliche Hunde profitieren vom Mantrailing. Einerseits wird die Erwartungshaltung an fremde Menschen positiv verändert, weil sie immer belohnt werden. Andererseits lernen die Hunde sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Dadurch lernen sie Aussenreize auszuhalten und sich nicht davon ablenken zu lassen. 

Material

Um das Trailen für Hund und Mensch so angenehm wie möglich zu machen, ist die richtige Ausrüstung die erste Voraussetzung. Folgendes Material braucht man für einen Trail:

  • Trailgeschirr
  • Schleppleine (Kletterseil oder Leder empfohlen)
  • Halsband
  • Belohnung (Futter oder Spielzeug)
  • Leuchtweste (Sicherheit) Mensch
  • Kennzeichnung Hund bei Dunkelheit (Weste/Licht)
  • Ritualgegenstand (freiwillig)
  • Geruchsgegenstand der «vermissten» Person

Ein Geschirr, welches nur zum Trailen gebraucht wird, empfehlen wir sehr. Dies ist für den Hund ein gutes Signal, welches in das Startritual eingebaut werden kann. Ausserdem wird durch ein gutsitzendes Geschirr der Hundekörper vor Verletzungen geschont. Als Leine wird eine lange Schleppleine verwendet. Leinen aus Leder oder Kletterseil eignen sich besonders, da diese Materialien federn und somit bei einem Ruck minim nachgeben. Am Halsband wird der Hund bis das Trailen losgeht und nach getaner Arbeit geführt. Der Mensch macht sich durch eine Warnweste für alle gut sichtbar. So kann auch bei Dunkelheit und an befahrenen Strassen getrailt werden. Im Dunkeln ist es empfehlenswert, auch den Hund entsprechend durch leuchtende Gegenstände zu kennzeichnen. Um ein Startritual aufzubauen, können auch andere Gegenstände eingebaut werden. Hierfür eignet sich zum Beispiel ein Halstuch (mehr dazu im Abschnitt «Ritual»). Damit der Hund nacherfolgreicher Arbeit ausgiebig belohnt werden kann, darf der Belohnungshappen oder das Lieblingsspielzeug nicht fehlen. 

Um die vermisste Person zu identifizieren, braucht es jeweils einen Suchgegenstand dieser Person. 

Grobablauf

Damit die Hunde die Sucharbeit zuverlässig erledigen können, muss die Trailarbeit sauber und kleinschrittig aufgebaut werden. 
Der Ablauf der Suche gestaltet sich aber immer ungefähr gleich. 
Der Hund wird entsprechend ausgerüstet. Sobald die Sucharbeit beginnt, wird die Leine vom Halsband auf das Trailgeschirr umgehängt. Danach kann der Hund auf ein antrainiertes Signalwort am Geruchsgegenstand riechen. Auf ein anderes Kommando darf er dann die Spur suchen und die Verfolgung aufnehmen. Gelangt der Hund zur gesuchten Person, zeigt er diese an. Die Anzeigeart kann bei den Hunden variieren. Es wird aber darauf geachtet, dass die Anzeige bei einem Hund immer gleich ist. Erfolgt die richtige Anzeige, wird der Hund belohnt. Hier endet die Arbeit des Hundes. 

Weshalb ist ein korrektes Leinenhandling so wichtig?
Luca: «Sehr gute Frage! Das Leinenhandling wird oft unterschätzt und anfangs auch belächelt. Jedoch ist die Leine während des Trails die einzige Verbindung zwischen Hundeführer und Suchhund. Somit ist sie auch die einzige Kommunikationsmöglichkeit. In schwierigen Situationen kann durch das korrekte Leinenhandling dem Hund sehr geholfen werden. Weiter verleiht eine sauber geführte Leine dem Hund die Sicherheit, welche ein Hund bei seiner Arbeit benötigt.»

Rituale

Damit der Hund weiss, was von ihm verlangt wird, werden von Anfang an gewisse Rituale aufgebaut. Dies erleichtert es dem Hund, in den richtigen Arbeitsmodus zu finden. Das Ziel ist nicht, den Hund hochzupushen. Er soll sich lediglich auf die bevorstehende Arbeit konzentrieren. Der Ablauf ist deshalb immer gleich. Dem Hund wird vor der Arbeit das Trailgeschirr angezogen. Das Umhängen der Leine ist ein weiteres Ritual, sowohl am Anfang als auch am Ende. Wie oben bereits erwähnt, können noch zusätzliche Rituale eingesetzt werden, zum Beispiel das Umbinden eines Halstuchs. 
Rituale zeigen dem Hund nicht nur auf, was von ihm verlangt wird, sie geben auch Sicherheit und geben dem Hund die nötige Ruhe, welche er für die Arbeit braucht.

Individualgeruch

Jeder Mensch hat einen eigenen Geruch. Wir nehmen diesen nicht bewusst war, Hunde aber schon. 

  • Ausscheidungen (Atem- und Verdauungstrackt)
  • Wasserausscheidungen (Haut, Schleimhäute, Atem)
  • Stoffwechselprodukte/Gase
  • Hautzellen
  • Haare

Diese Faktoren verleihen uns unseren individuellen Duft. Es gibt aber auch noch andere Faktoren, welche unseren Geruch beeinflussen. 

  • Lebensumfeld
  • Ernährung
  • Genetische Faktoren
  • Lebensumstände

Unser Individualgeruch ist also wie unser Fingerabdruck einmalig auf der ganzen Welt. So können Personen ganz gezielt gesucht und identifiziert werden.  Die Geruchsprobe, welche dem Hund gegeben wird, darf also möglichst nicht durch Fremdgerüche verfälscht sein.

Auch eine Rolle spielen Umgebungsfaktoren:

  • Temperatur
  • Luftfeuchtigkeit
  • Bodenbeschaffenheit
  • Wetter
  • Luftdruck
  • Windstärke

All diese Faktoren müssen bei der Suche mitberücksichtigt werden. 

Suchcharakteren

Die Hunde haben zwar mehr oder weniger die gleiche Veranlagung für die Nasenarbeit, dennoch setzen sie die Suchaufgabe unterschiedlich um. Der entsprechende Suchcharakter muss beim Trailen berücksichtigt werden. Hier stelle ich euch vier verschiedene Suchcharaktere vor. 

Der «Sensible»: Ein Hund mit diesem Charakter wirkt of so, als hätte er nicht verstanden, was er tun soll. Dem ist aber durchaus nicht so. Sensible Suchhundetypen reagieren extrem auf Schwierigkeiten, wie zum Beispiel ein Wechsel des Trailuntergrundes während der Arbeit. Wichtig ist, die Ruhe zu bewahren und den Trainingsaufbau in kleinen Schritten zu machen. 

Der «Kombinierer»: Wie es der Name schon verrät, kombinieren Hunde dieses Suchcharakters während des Trails. So kann es durchaus sein, dass der Hund plötzlich nicht mehr schön auf der Spur läuft, sondern über Witterung geht, um schneller ans Ziel zu kommen. Grundsätzlich legen diese Hunde nicht die effektive Route, sondern den schnellsten Weg zur Versteckperson zurück.

Der «Gewissenhafte»: Dieser Charakter zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sozusagen jeder einzelne Geruchspartikel der Verstecksperson (VP) gesucht und aufgenommen wird. Beim Arbeiten sieht es für den Aussenstehenden manchmal komisch aus. Denn je nach dem wo sich der Geruch sammelt, kann es durchaus sein, dass der Gewissenhafte etwas wirr umherläuft.

Der «Ehrgeizige»: Kurz gesagt: Ein Hund mit diesem Charakter lässt sich eher weniger bis gar nicht ablenken während des Suchens. Der Hund läuft ziemlich zielstrebig.

Welches sind die häufigsten Fehler beim Mantrailing?
Luca: «Die «Fahrlässigkeit» beim Erlernen des Leinenhandlings. Das Leinenhandling ist, bei weitem nicht so einfach und langweilig, wie es anfangs scheint. Viele kleine Fehler während des Trails sind im Grundsatz entweder auf einen Fehler im Leinenhandling oder im falschen Lesen der Körpersprache des Hundes zurückzuführen.»

Blickwinkler Konzept

Wir bieten in unserer Hundeschule Blickwinkel verschiedene Sporttrail-Stunden an. Unsere Trainer Sandra und Luca bereiten für jedes Trail-Team eine individuelle Route vor, welche dem Ausbildungsstand und dem Suchcharakter des Hundes entsprechen. Dafür stehen ihnen verschiedene Apps zur Verfügung. So können die Trails auch aufgezeichnet und analysiert werden. Dies stellt eine genaue Überwachung der Arbeit und eventuellen Herausforderungen sicher. Dadurch können Teams entsprechend auf Unsicherheiten angesprochen oder Fehler rekapituliert werden. Ein Trail wird nie für zwei Hunde verwendet. Jeder Hund bekommt immer seinen eigenen Trail mit individuellen Herausforderungen. 

Bei den Blickwinkler Trailern wird ruhiges, eigenständiges und konzentriertes Arbeiten gefördert. Das heisst, der Hund soll nicht hochfahren bei der Arbeit. So kann er das Trailen zuverlässiger ausführen und macht keine negativen Stresserfahrungen. 

Der Einstieg ist jederzeit möglich. Es wird gewissenhaft auf einen sauberen Aufbau geachtet. Das beinhaltet, dass der Hund und der Besitzer zuerst Freude an der Trailarbeit entwickeln müssen. Die Teams werden in verschiedene Leistungsstufen eingeteilt und entsprechend gefördert. Jede Stufe hat ihren eigenen Fokus. 

Newbie und Beginer (Leistungsstufe 1+2): Aufbauphase -> Hier wird darauf geachtet, dass eine konstante Leinenverbindung zwischen Hund und Mensch besteht. So merkt der Hund, dass der Mensch da ist. Die Arbeit ist dadurch nicht monoton, sondern beide werden gefordert. Der Mensch muss lernen, nicht gegen den Hund zu arbeiten und ihn zu unterstützen. Manchmal muss er den Hund auch stoppen können oder durch kritische Situationen führen. Teils gibt es auch reine Theorielektionen. Hier werden Themen wie korrektes Leinenhandling, Ausarbeiten von Kreuzungen, Beurteilen des Verhaltens des Hundes und Praxisübungen mit Selbsterfahrungswert behandelt. 

Meister und Star (Leistungsstufe 3+4): Trainings-/Fleissphase -> Hier sollen Hund und Mensch als Team zusammenwachsen. Der Besitzer lernt weiterhin seinen Hund zu lesen, zum Beispiel was es heisst, wenn der Hund sich querstellt oder die Nase hochnimmt. Ausserdem kristallisieren sich immer mehr die einzelnen Suchtypen heraus.  

Held und Champion (Leistungsstufe 5+6): Generalisierungsphase -> Hier werden verschiedene Schwierigkeiten wie Negativeanzeigen eingebaut. Unter einer Negativanzeige versteht man, wenn die Person nicht mehr vor Ort ist, oder gar nie da war. 

Für den Aufbau gibt es verschiedene Möglichkeiten. Der Hund kann angereizt werden durch Weglaufen er Verstecksperson. Dies kann den Hund aber unnötig nervös machen. Deswegen wird diese Methode nur sehr selten angewandt. Auch könnten Leckerlis auf die Spur gelegt werden. Der Hund verknüpft dann den Geruch mit der Belohnung. Wir arbeiten aber fast ausschliesslich mit der Entdeckungsmethode. Der Hund darf die Spur ohne Druck entdecken und kommt so auch ans Ziel. Dies fördert eine ruhige Arbeit. Von Anfang an werden mit den verschiedenen Ritualen gearbeitet, wie oben beschrieben.

Dann wird vor allem auch am Menschen gearbeitet. Er muss das richtige Leinenhandling lernen. Die Leine stellt das Verbindungsglied zwischen Mensch und Hund dar. Für das Teamwork braucht es eine gute Vertrauensbasis. Die Tatsache, dass der Hund plötzlich vorneweg führen soll, sorgt am Anfang manchmal für leichte Verwirrung. Eigentlich wird ja eher das Gegenteil gelehrt in der Hundeschule. Beim Trailen ist es aber so, dass der Hund den Weg vorgibt. 

Unser Leitspruch: Der Hund gibt den Weg vor und wir sind da, um ihn zu unterstützen, wenn es schwierig wird. 

Um das Trailen für den Hund abwechslungsreich und interessant zu gestalten, können je nach Ausbildungsstand verschiedene Schwierigkeiten oder Hindernisse in die Trails eingebaut werden. So lernt der Hund auch immer wieder andere Sachen auch zu berücksichtigen. 

Zusatzleistung Short: 

  • Start-/Endpool
  • Hochversteck
  • Events (Leinenhandling, Kreuzungsarbeit, Suchverhalten, Zugriffsarbeit uvm.)

Zusatzleistung Long:

  • Zeitsprung
  • Wasser
  • Hanglage
  • verschiedene Negativs

Das Mantrailing ist eine ideale Beschäftigungsmöglichkeit für alle Mensch-Hund-Teams. Wenn ihr noch mehr darüber erfahren wollt, meldet euch bei uns. Es erwarten euch viel Spass und professionell geführte Trails.

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