Hundeplatz

Ich kann mich gut daran erinnern, dass früher offizielle Turniere im Bereich IGP und RallyObedience bei mir quasi vor der Haustüre stattgefunden haben. Ich fand das immer sehr spannend und war stets ein interessierter Zuschauer. Was ich damals schon bedenklich fand, war das Bild, welches sich mir bot, sobald die Prüfung beendet war. Hatten die Teilnehmer den Ring verlassen, war kaum einer der Hunde gut leinenführig und der Fokus lag überall, nur nicht auf den Besitzern. Doch woran liegt das?

Die Krux liegt am «kontextbezogenen Lernen». Hunde lernen unter anderem über diesen Weg. Das heisst, dass sie Gelerntes mit der jeweiligen Situation in Verbindung bringen. Dies trifft auf ein positives, aber auch auf negatives Verhalten zu. 

Hierzu gebe ich zwei kurze Beispiele:

Positiv: Man lehrt den Hund zuhause auf der Decke «Platz» zu machen und sich zu entspannen. Es funktioniert immer besser. Bald macht er es schon fast automatisch. Nimmt man die Decke mit nach draussen, kann der Hund, dank der Decke, das Gelernte umsetzen. Denn die Decke bedeutet für ihn Entspannung(konditionierte Entspannung). (Es kann aber auch sein, dass es draussen noch nicht 100% funktioniert, weil der Kontext nicht mehr derselbe ist und andere Reize auf den Hund einwirken.)

Negativ: Auf dem Spaziergang berührt der Hund einen Elektrozaun einer Kuhweide. Nicht nur wird er vermutlich den Weg meiden, auf dem es passiert ist. Es kann auch sein, dass er eine Angst vor Kühen entwickelt, oder aber ein Aggressionsverhalten zeigt. Dies geschieht, weil er den Schmerz des Stromschlags mit den Kühen in Verbindung bringt. 

Was ist also mit den Hunden vom Anfang passiert? 

Die Hunde haben durch das einseitige Verhalten der Menschen gelernt, dass auf dem Hundeplatz volle Konzentration gefordert wird. Abseits des Platzes gelten andere Regeln. Der Mensch ist nicht gleich konsequent, wenn keiner zuschaut. Oder er bemüht sich nicht gleicht, wenn er nicht im Training ist. Oder das Gelernte wird ausschliesslich auf dem Hundeplatz praktiziert und abgerufen. 

Training auf dem Hundeplatz

Natürlich ist Training auf dem Hundeplatz nicht verkehrt. Es bietet einen geschützten Rahmen, in welchem Hund und Halter lernen können. Im Idealfall handelt es sich hierbei um ein begrenztes Gelände (draussen oder drinnen). So sind die Hunde auch ohne Leine gesichert. Situationen können geübt werden, welche in der «freien Wildbahn» noch nicht praktiziert werden könnten. 

Ein Hundeplatz bietet einen geschützten Rahmen.

Es gibt Dinge (z.B. verschiedene Sportarten wie Agility), die man vorwiegend auf dem Platz trainiert, weil man sonst das Equipment immer mittragen müsste. Mit etwas Kreativität kann man fast jedes Training auch mal abseits des Platzes gestalten. Der Alltag bietet so viele Möglichkeiten. Doch natürlich ist gerade im Hundesport vielfach das eigentliche Training wichtig. 

Gerade aber wenn es um Alltagstraining geht, wie zum Beispiel bei der Leinenführigkeit, ergibt es durchaus Sinn, dass das eher in realistischen Situationen geübt wird. Da der Hund aber wie erwähnt kontextbezogen lernt, bringt es auch nichts, das nur in der Stunde zu üben. Am besten gestaltet sich das Training so, dass man alles in möglichst vielen verschiedenen Situationen, an verschiedenen Orten, zu verschiedenen Uhrzeiten und mit anderen Begebenheiten übt. Das heisst, dass die Lektion in der Hundeschule den Anreiz und die Anleitung darstellt, geübt werden muss aber immer.

Warten in verschiedenen Kontexten üben.

Hunde brauchen klare Leitplanken. Trainiert man nur auf dem Platz, zu Hause lässt man aber alles schleifen, wird der Hund sehr schnell lernen, dass es auf dem Platz etwas zu holen gibt, im restlichen Leben aber nicht. Deswegen ist es wichtig, dass man durch variierendes Training dem Hund ermöglicht das Gelernte auch in anderem Kontext zu üben und zu festigen. Das nennt man «generalisieren». Denn nur wenn ein Hund Verhalten lernt zu generalisieren, kann er es mit verschiedenen Kontexten in Verbindung bringen und es auch in diversen Situationen abrufen. 

Das kontextbezogene Lernen kann also sowohl eine Hilfe sein, aber auch dafür sorgen, dass ein Training nicht mehr fruchtet. Unsere Alltagshelden trainieren deshalb an unterschiedlichen Orten und in verschiedenen Situationen, damit das Training sich in mehrere Dimensionen entfalten kann und der Hund nicht nur auf dem Hundeplatz ein gutes Verhalten lernt. 
Die Hundeschule Blickwinkel verfügt über eine geschützte Trainingshalle und einen eingezäunten Aussenplatz. Dennoch finden viele Trainings auch ausserhalb statt.

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