Hundebissprävention „Prevent a Bite“

Vor rund 12 Jahren wurden Beissunfälle mit Kindern und Erwachsenen in den Zeitungen und im Netz vermehrt erwähnt. Aufgrund vielen Missverständnissen und Verhaltensfehler seitens Menschen den Hunden gegenüber, habe ich mir vorgenommen, dass ich dies ändern möchte. Ich machte mir meinen Plan und habe alle Kindergärten in der Region Wil SG angeschrieben, Termine vereinbart und mich und mein Konzept vorgestellt: Kinder und deren Eltern über das Grundverhalten eines Hundes aufzuklären.
Leider hatte kein Kindergarten und auch keine Schule Interesse an meiner Idee. So verwarf ich diese Pläne wieder.

4 ausgebildete Hunde bei ihrer Arbeit.

12 Jahre später, sendet mir eine liebe Kollegin einen Artikel: Prevent a Bite vom Kanton Zürich suchte neue Hund-Mensch-Team’s zur Ergänzung in den Kindergärten.

Ich lass diesen Artikel und war sprachlos, dort wird genau das angeboten, was ich vor Jahren auf die Beine stellen wollte. Ob das ein Zufall ist? Auf jeden Fall hat’s mich gepackt und ich ging dieses Projekt ein zweites Mal an!

Lets go! Die Aufnahmeprüfung war 3 Wochen später.

Was ist „Prevent a Bite“

Prevent a Bite (PaB) ist ein Projekt für die Prävention von Hundebissunfällen bei Kindern. Durch Besuche in Kindergärten und in der Unterstufe mit entsprechend ausgebildeten Hunden wird den Kindern interaktiv und spielerisch vermittelt, wie sie durch richtiges Verhalten einen Beissunfall mit einem Hund vermeiden können. Den Kinder begegnen Hunden überall im Alltag z.B. auf dem Schulweg, beim Spielen, beim Einkaufen etc. Da ist es wichtig, dass es nicht zu gefährlichen Situationen kommt. In den Kursen wird den Kindern anhand von Fallbeispielen das korrekte Verhalten gegenüber dem Hund erklärt.

  • Beim Spielen auf dem Spielplatz/Pausenplatz
  • Wenn Kinder Gegenstände in den Händen halten
  • Wenn Kinder von Hunden umgeworfen werden
  • Wenn Kinder Hunde streicheln möchten
  • Kind und Hund in speziellen Situationen (Schlafplatz, Fressnapf etc.)

Gleichzeitig wird versucht, Ängste abzubauen und den Kindern einen respekt- und liebevollen Umgang mit dem Hund zu lehren. Kinder, welche sich in der Nähe von Hunden nicht wohl fühlen oder sogar Angst haben, werden in den Kursen nicht zur Kontaktaufnahme mit dem Hund gedrängt.

Die Ausbildung

Für die Kantone Zürich und Schaffhausen hat die Arbeitsgruppe «Prevent a Bite ZH/SH» ein einheitliches Ausbildungs- und Prüfungskonzept erarbeitet, welches vom Zürcher Hundeverband umgesetzt wird. Somit werden alle PaB-Anwärterinnen und Anwärter aus diesen beiden Kantonen nach den gleichen Regeln und Standards ausgebildet und geprüft. Die Kosten für Kindergärten und Schulen werden vom Zürcher Veterinäramt getragen. Das Veterinäramt bietet die Kurse unter der Marke «Codex Kind und Hund» an.

Damit ein Hund-Mensch-Team die Ausbildung starten kann, gibt es gewisse Voraussetzungen die erfüllt werden müssen und einen erfolgreich bestanden Eignungstest.

Noreen und Gluglu beim Eignungstest

Der Eignungstest fand am 2. April 2022 statt. Es schneite die ganze Zeit an einem Stück. Gluglu und ich gut eingepackt, ein wenig nervös und freudig gespannt, was uns da erwarten wird. Gluglu wurde in unterschiedlichen Situationen beobachtet und in vielen Gegebenheiten getestet.

Zum Beispiel wie er reagiert, wenn hüpfende und singende Menschen in einer Gruppe sind, wie sich der Hund verhält, wenn er eingeengt und bedrängt wird, wie die Hunde mit Ressourcen wie Futter und Spielzeugs umgeht, vor allem wenn ein Objektspiel angezettelt wird und dieses plötzlich endet. Wie geht der Hund mit Frustration um und noch viel mehr!

Laute Geräusche, hüpfende und mit Ball spielende Menschen waren also Tagesprogramm. Und auch unangenehme Situationen wurden getestet. Unter anderem wurde Gluglu durch die Prüfungsexpertin mit den Augen angestarrt (Hundesprachlich bedeutet das fixieren mit den Augen: Bedrohungssitation!) um herauszufinden wie Gluglu mit Konflikten umgehen kann.

Bei so viel Action ruhig zu bleiben, ist für viele Hunde ganz schön schwer!

Ebenfalls wurde die Bindung zwischen Gluglu und mir getestet. Ich glaube einige Hundehalter:innen haben sich als Team ganz schön überschätzt. Und natürlich dürften die ganz alltägliche Dinge die jeder/jede Hundehalter:in können sollte wie: Ohren, Pfoten und Fang kontrollieren beurteilt

Der Eignungstest dauerte 5 Stunden. Das war zeitlich, echt an der Grenze für Gluglu und auch für mich.
Den während der ganzen Zeit waren zig fremde Hunde auf relativ engem Raum und wurden getestet. Unsere Pfotenfreunde mussten ganz viele starke Nerven zeigen!

Am Ende des Eignungstest dann die freudige Nachricht: Test bestanden!
Durchgefroren, erschöpft, aber zufrieden ging ich nach Hause.

Wie geht es weiter?

Es gibt eine Theoretische Ausbildung für mich als Hundehalterin mit den Themen:

  • Hundeverhalten
  • Methodik/Didaktik
  • Hund im Recht und Reglement

Dan geht es in der Ausbildung auch darum, dass ich ohne Hund 4 Anwartschaften (eine Art Praktikum) in den Kindergärten mit ausgebildeten PaB-Teams absolviere. Danach gibt es 6 praktische Trainings mit dem Hund zusammen und nach bestandener praktischer Prüfung werden wir als Hund-Mensch-Team, dann noch 3 Anwartschaften zusammen in den Kindergärten absolvieren um so die ersten Einsatzerfahrungen zu sammeln.

Auch ein Hund muss zuerst eine Einsatzerfahrung sammeln.

Wir stecken also mitten in der Ausbildung und schauen motiviert in die Zukunft.
Prevent a Bite ist eine tolle Sache, Aufklärungsarbeit im Bereich Hund und Kind aber auch allgemein Hund und Mensch ist so wichtig. Es hilft sicher einige Konfliktsituationen oder gar Beissunfällen zu verhindern oder zumindest bietet es die Möglichkeit solchen Konfliktsituationen auch einfach aus dem Weg zu gehen.

Interessierst du dich für das Projekt „Prevent a Bite“?

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