Mythos Kampfhund

Leider kommt es immer wieder zu ernsten Zwischenfällen bei Menschen und Hunden, welche es auch in die Medien schaffen. Wird über einen Vorfall mit aggressiven Hunden berichtet, werden automatisch Symbolbilder von sogenannten „Kampfhunden“ verwendet. Dass dieser Ausdruck aber nicht nur irreführend ist, sondern auch inkorrekt verwendet wird, möchte ich in diesem Blog-Artikel erläutern.

Sandras Hund Anuk ist der perfekte Bürohund.

Ursprung

Die Bezeichnung Kampfhund kommt nicht von ungefähr. Viele der Hunderassen, die heute mit diesem Übernamen betitelt werden, wurden früher für Kämpfe diverser Arten verwendet. Mastiff-ähnliche Hunde wurden in Kriegen eingesetzt um die Gegner abzuschrecken oder abzulenken. Auch im alten Rom führten die Legionen Hunde mit sich. Zudem wurden Molosser in der Arena bei Gladiatoren- und Tierkämpfen eingesetzt. Später gab es Züchtungen, welche die Aufgabe hatten Bullen zu treiben. Daraus entwickelten sich die grausamen Kämpfe zwischen Bullen und Hunden. Die sogenannten „Bullenbeisser“ sollten sich im Ring auf die Bullen stürzen und diese verbeissen. Im 18. und 19. Jahrhundert waren dann Hundekämpfe eine angesagte Belustigung für die Menschen. Dabei kämpften nicht nur Hunde gegeneinander, sondern auch gegen andere Tiere. Dieser abscheuliche aber leider sehr lukrative „Freizeitvertreib“ wurde zum Glück am Ende des 19. Jahrhunderts/anfangs des 20. Jahrhunderts verboten. Doch es werden bis heute immer wieder Fälle von illegalen Hundekämpfen publik.

Wie ihr seht, hat der Begriff „Kampfhund“ durchaus einen geschichtlichen Hintergrund für gewisse Rassen und ist somit nicht per se falsch. Nicht richtig ist aber die heutige pauschale Verwendung des Begriffs. „Kampfhund“ wird heute nicht mit dem geschichtlichen Hintergrund verwendet, sondern Rassen werden als blutrünstige Monster abgestempelt auf Grund von Einzelfällen.

Rasselisten

In mehreren Ländern, unter anderem in der Schweiz, gibt es mittlerweile sogenannte Rasselisten, welche als besonders gefährlich eingestufte Hunderassen auflisten. Die Haltung von solchen Rassen ist dann mit besonderen Auflagen verbunden oder ganz verboten. In der Schweiz, wie soll es anders sein, ist die von Kanton zu Kanton verschieden. Wer sich also einen Hund anschaffen möchte, der auf dem Listehundeverzeichnis vorkommt, sollte sich vorher ganz genau informieren, was das für die Haltung bedeutet. Viele Hunde landen im Tierheim, weil man sich der Konsequenzen nicht bewusst war.

Was hältst du von Rasselisten?
Sandra: „Ich bin nicht per se gegen eine Rassenliste. Denn es kommt viel zu oft vor, dass sich Leute unüberlegt Hunde, besonders auch Listenhunde, anschaffen. Das hat aber nichts damit zu tun, dass diese Listenhunde sogenannte „Kampfhunde“ sind, sondern sie sind einfach nicht für Ersthundehalter geeignet. Sie brauchen spezielle Voraussetzungen. Die Liste müsste dann aber eher erweitert werden.“  

Amy trainiert fleissig bei den Alltagshelden.

Betroffene Hunderassen

Wenn ihr die oben verlinkte Rassenliste angeschaut habt, sind die „üblichen Verdächtigen“ natürlich vertreten. Hier noch einen kurzen, nicht abschliessenden Überblick:

  • American Pitbull
  • Amstaff
  • Bullmastif
  • Bullterrier
  • Dobermann
  • Mastiff
  • Rottweiler
  • Staffordshire Bull Terrier
Die hübsche Nera (Amstaff) ist aktiv im Trailen und im CaniCross.

Allerdings gibt es auch Hunderassen, die kaum bekannt sind oder solche, die nicht auf der Liste vermuten würde. Dazu gehören unter anderem:

  • Schäferhund
  • Tosa
  • Rhodesian Ridgeback
  • Hovawart
  • Deutsche Dogge
  • Kuvasz
  • Boredeauxdogge
  • Cane Corso
  • Beauceron
Aramis (CaneCorso) zeigt sein Können im NADAC 4fun.

Gefahrenpotential

Hunderassen, die auf der Liste zu finden sind, sind nicht auf Grund von Beissstatistiken als gefährlich eingestuft. Es fällt auf, dass besonders körperlich starke Hunde vorkommen. Solche Hunde richten im Ernstfall natürlich einen grösseren Schaden an, als wenn ein Chihuahua zubeisst. Ich finde es dennoch interessant zu wissen, dass die meisten Beissvorfälle von klein- bis mittelgrossen Hunden ausgehen.

Syra (Amstaff) kann es kaum erwarten, bis es wieder zu den Alltagshelden geht.

Seriöse Züchter der Listenrassen haben schon lange ganz andere Zuchtziele als die Schnelligkeit und die Reizbarkeit der Hunde. Dennoch sind viele Listenhunde hochsensible Tiere. Sie gehören in sehr erfahrene Hände, die die Bedürfnisse genau kennen und die Körpersprache gut lesen und einschätzen können. Kein Hund ist von klein auf aggressiv oder gefährlich (mit ganz wenigen Ausnahmen, wenn Gene sehr ungeschickt gekreuzt wurden, dies ist aber kein Problem der Rasse, sondern der individuellen Gene der Elterntiere). Werden Hunde aber nicht richtig sozialisiert, nicht oder falsch erzogen und werden ihre Bedürfnisse bei der Haltung nicht berücksichtigt und erfüllt, besteht die Gefahr, dass sich Aggression entwickelt. Leider holen sich die Besitzer oft gar keine oder viel zu spät Hilfe. Und so kann es leider zu sehr unschönen Szenen kommen.

Wie stehst du zur Kampfhunde-Diskussion?
Sandra: „Hunderassen als Kampfhunde im heutigen Sinn zu bezeichnen finde ich nicht richtig. Dennoch kann ich nichts damit anfangen, wenn das Thema verniedlicht wird mit Ausdrücken wie „Kampfschmuser“ oder „Kuschelkampfhund“. Viele Listenhunde sind sehr sensibel und reagieren besonders auch stark auf zwischenmenschliche Gefühle. Es braucht bei normal sozialisierten Hunden lange bis ein Trigger sie auslöst. Aber wenn es dazu kommt reagieren sie innerhalb von Millisekunden.“

Roxy (Dobermann) findet beim Trailen jeden Menschen.

Gute Beispiele

Dass es viele Hunde gibt, die auf der Rasseliste stehen aber ein ganz normales Leben führen, dafür gibt es viele Beispiele. Hunde auf Grund ihrer Rasse abzustempeln könnte man als Rassismus bezeichnen. Denn nur, weil ein Hund nicht auf der Liste steht, heisst es nicht, dass sie nicht auch aggressiv reagieren können. Denkt man zum Beispiel an typische „Familienhunde“ wie Labradore oder Golden Retriever würde man nicht davon ausgehen, dass auch diese bei falsche Haltung ein Gefahrenpotenzial darstellen können, wie jeder andere Hund auch.

Simba (Amstaff) profitert von Einzelstunden.

Auch in der Hundeschule Blickwinkel gibt es viele tolle Teams, die wöchentlich in den verschiedenen Disziplinen mit Listenhunden trainieren. Hundeerziehung und Beschäftigung ist immer viel Arbeit und bringt Verantwortung mit. Dazu gehört auch seinen Hund realistisch einzuschätzen und ihn nicht zu verharmlosen. Was aber nicht heisst, dass man ihn, überspitzt gesagt, verteufeln soll.

Wie würdest du dir das Handling der Rasseliste wünschen?
Sandra: „Ich würde einen abgestuften Hundeführerschein befürworten. Listenhunde brauchen wirklich einen Besitzer, der sie versteht und entsprechend halten kann. Deswegen wären für solche Hunde eine Art Führerschein Plus meiner Meinung nach angebracht.“

Thor (Staff-Shar Pei-Mix) lernt in Einzelstunden das Hunde-1×1.

Ich möchte euch ans Herz legen, dass ihr nicht vorschnell urteilt auf Grund einer Rasse, denn jeder Hund kann ein ganz fabelhaftes Wesen sein. Und überlegt euch gut, was die Voraussetzungen sind für die Haltung von Listenhunden und ob ihr dem gewachsen seid, bevor ihr euch einen anschafft.

Hier sehr ihr Roxy (Rottweiler) im Alltagsheldentraining.

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