Arbeitshunde: Lawinensuchhund

Lawinen – Wenn die weissen Naturgewalten sich ihren Weg suchen, reissen sie alles mit, was ihnen in die Quere kommt. Das kann für Menschen, welche sich in der Gefahrenzone bewegen brenzlig werden. Jedes Jahr werden einige Personen verschüttet. Einigen von ihnen gelingt es, sich selbst zu befreien. Andere wiederum werden von Kollegen ausgegraben. Es gibt aber auch immer wieder Verunfallte, welche weniger Glück haben. Um sie zu orten, braucht es ein Spezialteam, welches auf die Ortung, Rettung und Bergung verschütteter Personen spezialisiert ist. Hierzu gehören auch die Lawinensuchhunde. Ich habe mit Karin Schmid (Chefin des Hundewesens ARBE der Alpinen Rettung Schweiz) gesprochen, um genaueres über die besonderen Hunde zu erfahren. 

Quelle: Karin Schmid, Alpine Rettung Schweiz

Was ist ein Lawinensuchhund

Lawinensuchhunde sind ausgebildet, Witterungen von im Schnee verschütteten Personen zu suchen und anzuzeigen. Genauer gesagt, orten die Hunde jegliche menschliche Witterung und ergänzen somit das Suchteam, welches mit Sonden, REGO und LSV-Suchgeräten die Lawine absuchen. 

Die Arbeit ähnelt der eines Geländesuchhundes, welcher eine grosse Fläche nach einer Witterung einer Person absucht. Der Schnee verändert aber die Ausgangslage (Geruchsverteilung etc.). Ausserdem wird auf einer Lawine eine Person durch Scharren angezeigt. Einige Hunde werden sowohl als Lawinen- aber auch als Geländesuchhunde ausgebildet. Der Hund kann sich wunderbar an beide Begebenheiten anpassen. 

Nach welchen Kriterien werden die Hunde für die Ausbildung ausgewählt?
Karin Schmid: «Er muss arbeiten wollen und Freude an fremden Leuten haben. Zudem soll er keine Angst haben, in Löcher reinzukriechen. Im Training kristallisiert sich schnell heraus, welche Hunde geeignet sind für die Lawinensucharbeit.»

Quelle: Karin Schmid, Alpine Rettung Schweiz

Voraussetzungen

Die Rasse der Hunde spielt eigentliche keine Rolle. Hunde, die in den Einsatz möchten, sollten aber idealerweise mittelgross sein. Sie dürfen wiederum aber nicht zu schwer sein. Das garantiert, dass sie einerseits in den Schneemassen zurechtkommen (kleine Hunde kommen nicht durch, zu schwere Hunde versinken) und der Hundeführer den Hund auch mal hochheben kann (z.B. in einen Helikopter). Oft kommen Rassen wie Labradore, Border Collies, Münsterländer und Schäferhunde in den Einsatz. Aber auch andere Rassen und Mischlinge sind willkommen, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen. 

Die Hunde sollten einen lebhaften und verspielten Charakter haben. Dadurch sind sie leicht motivierbar für die Arbeit. Sie müssen gut sozialisiert sein mit Artgenossen und Mensch, auch mit fremden Leuten. Der Hund muss eine gute Führbarkeit haben und grossen Sucheifer mitbringen, welcher gezielt in der Ausbildung gefördert wird. 

Die Sucharbeit ist nicht nur für den Kopf sehr anstrengend. Auch körperlich verlangt der Schnee den Hunden einiges ab. Sehr oft finden die Sucharbeiten unter ungemütlichen Witterungsbedingungen bei Wind, schlechtem Wetter und Kälte statt. Deswegen ist eine gute Kondition vorausgesetzt, so wie eine gewisse Widerstandsfähigkeit. 

 

Quelle: Karin Schmid, Alpine Rettung Schweiz

Aber nicht nur die Hunde sind gefordert. Auch die Hundeführer müssen einige Kriterien erfüllen. Da die Arbeit als Rettungsteam nebenberuflich gemacht wird, müssen Hundeführer bereit sein, viel Freizeit in das Training zu investieren. Auch braucht es einen Arbeitgeber, der erlaubt, dass man im Ernstfall jederzeit gehen kann. Der Hundeführer muss in der Nähe von möglichen Einsatzorten wohnen (Bergregion), damit er möglichst schnell einsatzbereit vor Ort sein kann. Er muss aktiver Berggänger sein, fit in Lawinenkunde und Alpinentechnik. Man brauch Ausdauer und eine grosse Sozialkompetenz. Die Zusammenarbeit vor Ort im Team ist ausschlaggebend für den Erfolg. Es muss immer um die eigentliche Sache gehen.

Ausbildung

Wenn immer möglich beginnt man schon sehr früh mit dem Hund zu arbeiten. Er wird auf verschiedene Situationen vorbereitet. Im Alter von einem Jahr können die Hunde einen Eintrittstest absolvieren, wobei vorsondiert wird, ob der Hund die nötigen Grundvoraussetzungen wie Führigkeit, Gehorsamkeit und keine Scheu vor fremden Personen mitbringt. Darauf folgt die Ausbildung, welche je nach Hund ca. 2-3 Jahre dauert. In vier Phasen wird die Sucharbeit aufgebaut. Zuerst wird der Hundeführer selbst gesucht. Erst wenn das sitzt, kommen Fremdpersonen ins Spiel. Der Schwierigkeitsgrad steigt mit der Ausbildung. Viele Herausforderungen warten auf die Hunde. Dazu gehört auch das Fliegen mit einem Helikopter (wenn das Wetter es zulässt). So können die Suchteams schnell an den Ort des Lawinenabgangs gelangen. Wie alles wird auch das kleinschrittig aufgebaut. Hund und Halter müssen einander vertrauen. Wenn der Hundeführer seinem Hund Sicherheit geben kann, funktioniert das aber problemlos. Die Ausbildung für einen Grossteil der Schweiz erfolgt durch die Alpine Rettung Schweiz. 

Was macht ein Lawinensuchhund im Sommer? 
Karin Schmid: «Zum Teil sind die Hunde als Lawinen- und Geländesuchhunde ausgebildet. Dann kommen sie im Sommer ebenfalls in den Einsatz. Sonst finden regelmässig Trainings statt, damit die Hunde einsatzbereit bleiben. Aber manchmal tut eine Pause auch einfach gut.»

Arbeit

Die Hunde werden das ganze Jahr über trainiert, damit sie einsatzfähig bleiben. Bei Frau Schmid wird im Pikett-System gearbeitet. Sie muss innerhalb von 10 Minuten bereit sein, wenn sie aufgeboten wird.

Quelle: Karin Schmid, Alpine Rettung Schweiz

Je nach Alter und Begebenheiten können die Hunde zwischen 30 und 60 Minuten im Einsatz sein. Das muss immer individuell abgeschätzt werden. Die Hunde können menschliche Witterungen aufspüren, auch wenn diese tief unter der Lawine liegen. Je nach Schneequalität dringt die Witterung mehr oder weniger schnell an die Schneeoberfläche. Nasser Schnee zum Beispiel vakuumiert mehr. Dann braucht es länger, bis die Witterung nach oben durchdringt. Nimmt der Hund eine Witterung auf und zeigt dies durch scharren an. Er scharrt so lange, bis man ihn wegholt. Die Hunde werden darauf trainiert, dass sie möglichst lange am Ball bleiben, bis das Sondierungsteam bei ihm ist.

Kann die Situation auch mal gefährlich werden?
Karin Schmid: «Die eigene Sicherheit geht immer vor. Die Lage wird vor dem Einsatz immer individuell eingeschätzt. Wenn es zu gefährlich ist, geht man gar nicht erst auf das Suchfeld.» 

Alle zwei Jahre werden die Hunde überprüft, ob sie die herausfordernde Arbeit noch verrichten können. Ab einem Alter von 10 Jahren, erfolgt die Überprüfung jährlich. Solange der Hund die Arbeit gut und gerne macht, kann er im Einsatz bleiben. 

Hier findet ihr noch zwei eindrückliche Videos:

Quelle: Karin Schmid, Alpine Rettung Schweiz
Quelle: Karin Schmid, Alpine Rettung Schweiz

Wir verdanken den Lawinenhunden viel. Sie leisten eine Arbeit, welche wir Menschen nicht machen können. Einmal mehr wird klar, wie viel Hunde für uns tun können und dies mit so viel Freude. Wir wünschen Frau Schmid und ihrem Team weiterhin viel Erfolg bei ihrer unentbehrlichen Arbeit!

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