Rasseportrait – Weisser Schweizer Schäferhund (Berger Blanc Suisse)

Rasseportrait – Weisser Schweizer Schäferhund (Berger Blanc Suisse)

Myriam Koller
30.10.22

Eine majestätische Erscheinung, das ist der Weisse Schweizer Schäferhund unbestritten. Kein Wunder hat er viele Bewunderer und Liebhaber, obwohl die Rasse noch nicht lange offiziell anerkannt ist. Das Fell so weiss wie der Schnee, welcher Hund würde besser in die Schweizer Berge passen? Doch sein spezielles Aussehen verleitet leider auch Menschen ihn aus rein optischen Gründen auszuwählen, obwohl der Berger Blanc Suisse, wie er auch genannt wird, weitaus mehr kann, als nur hübsch ausschauen. Vom Alltag mit einem Weissen Schweizer Schäfer berichtet zudem Michèle im Interview.

Herkunft

Der Deutsche und der Belgische Schäferhund haben sich schon lange als ideale Arbeitshunde einen Namen gemacht. Nicht ganz so einfach hatte es der Weisse Schweizer Schäfer. In der Deutschen Schäferzucht gab es früher immer wieder auch weisse Exemplare. Dies kommt wohl daher, dass genetische Anteile von Herdenschutzhunden im Deutschen Schäfer stecken, die oftmals weiss sind (z.B. Kuvasz, Maremmen…).Doch bald wurden die weissen Hunde aus der Zucht ausgeschlossen. Dies deshalb, weil man in den weissen Genen eine grössere Krankheitsanfälligkeit sah, wie es oft bei Hunden mit einem hohen Weiss-Anteil im Fell der Fall ist. In den USA und in Kanada waren die weissen Hunde länger zugelassen. Doch schlussendlich wurden sie auch dort von den Rassestandards ausgenommen. So kam es, dass Ende der 60er Jahre in der Schweiz die Zucht der reinen weissen Schäferhunde aufgenommen wurde. Denn der SKG liess diese Fellfarbe zu, da man erkannte, dass die weisse Fellfarbe der Schäfer nicht genetisch vorbelastet ist wie bei anderen Rassen. Man kreuzte die Schweizer mit Zuchthunden aus Nordamerika, um eine breite Blutlinie aufstellen zu können. Seit 1991 ist die Rasse im Schweizer Hundestammbuch geführt. 2003 wurde sie vorläufig und 2011 definitiv durch den FCI international als eigenständige Rasse anerkannt. Sie gilt auf Grund ihrer Herkunft zu den Hüte-und Treibhunde.

 

Warum hast du dich in diese Rasse verliebt?
Michèle:
Die Weissen Schweizer Schäferhunde habe ich als sehr sensible, feinfühlige Hunde erlebt, die gleichzeitig sehr aktiv sind und gerne eine Aufgabe im Alltag haben wollen. Für mich bringt der Weisse Schweizer Schäferhund durch seine Vielseitigkeit alle Eigenschaften als Gesamtpaket mit, die ich an einem Hund mag. Durch diverse Besuche bei Züchtern und privaten Kontakten habe ich sehr unterschiedliche Schweizer Schäferhunde kennengelernt - jeder für sich ein toller Vertreter dieser Rasse. Somit war für mich klar, dass es diese Rasse werden sollte.

 

Michèle mit ihrem treuen Begleiter Nikos

Aussehen

Das Aussehen ist markant und einzigartig. Der Weisse Schäfer fällt auf, egal wohin er geht. Sein weicher, leichter Gang bewegt den kräftigen, wohlproportionierten Körper. Die Ohren sind stehend. Es gibt sowohl Hunde mit Stockhaar als auch mit Langstockhaar. Beide Varianten sind in den Rassestandards vorgesehen. Das Fell ist rein weiss, die Augen dabei dunkel. Das Fell verfügt über Unterwolle und Deckhaar, was den Hund sehr robust macht. Der Berger Blanc Suisse ist ein mittelgrosser Hund. In Zahlen heisst das, dass er zwischen 53cm - 66cm gross und 25kg - 40kg schwer ist.

Gesundheit wird in der Zucht des weissen Hundes grossgeschrieben. Daher wird unter anderem eine abfallende Rückenlinie, wie sie beiden Deutschen Schäfern mittlerweile ins Extrem gezüchtet wird, als schwerer Fehler gesehen und ist somit nicht erwünscht.

 

Charakter

Aus der richtigen Zucht und mit guter Haltung ist der Weisse Schäfer ein Traum von einem Hund. Nicht nur optisch, sondern auch charakterlich kann er auftrumpfen. Er ist sensibel, sanft und einfühlsam, aufmerksam und umgänglich. Seine Intelligenz und Agilität rühren von seiner ursprünglichen Aufgabe als Arbeitshund. Gut sozialisiert ist er freundlich, gut verträglich und einfach ein toller Begleiter. Fremden gegenüber kann er zurückhaltend sein, ist aber nicht aggressiv. Seinem Besitzer gegenüber ist der Berger Blanc Suisse sehr anhänglich und loyal. Der Arbeitshund steckt immer noch tief in seinen Genen. Daher zeigt der Weisse Schäfer sich als äusserst gelehrig, lebhaft und arbeitswillig.

Für welche Leute ist der Weisse Schweizer Schäferhund geeignet?
Michèle:
Definitiv für aktive Menschen, die Lust haben, geistig und körperlich mit ihrem Hund zu arbeiten. Die Menschen sollten bereit sein, sich ausreichend mit der Erziehung ihres Hundes zu beschäftigen und Zeit in eine konsequente, faire und feinfühlige Erziehung zu investieren. Ein ausgeglichener Schweizer Schäferhund kann ein toller Alltagsbegleiter sein, der mit seinen Menschen durch Dick und Dünn geht und für jedes Abenteuer zu haben ist.

Haltung

Die Pflege der schönen Hunde ist nicht annähernd so auffällig, wie es das weisse Fell vermuten lassen würde. Regelmässiges Bürsten reicht in der Regel aus, um den Hund gepflegt zu halten. Ist das Fell mal schmutzig, reicht kurzes abduschen und trocknen lassen. Im Fellwechsel sollte zudem regelmässig die Unterwolle ausgebürstet werden. Der grosse Arbeitswille und die genetische Veranlagung machen den Weissen Schweizer Schäferhund nicht nur zu einem tollen Familienhund, sondern auch zu einem idealen Arbeitshund. Er hat grosses Potential für vielfältige Ausbildungen. Daher wird er gerne auch in verschiedenenArbeitsfeldern eingesetzt. So findet man ihn beispielsweise als Lawinenhund, Trümmersuchhund, Therapiehund oder Blindenführhund.

Der Weisse Schäfer ist ein wacher Hund. Er braucht entsprechend Beschäftigung und Auslastung, sowohl körperlich als auch mental. Man sollte aber ein gutes Verhältnis zwischen aktiven und ruhigen Phasen finden und den Hund nicht einfach nur aufdrehen. Der Berger Blanc Suisse ist aber auf jeden Fall gerne aktiv und unternimmt etwas mit seinem Menschen.

 

Was macht für dich der Weisse Schweizer Schäferhund aus?
Michèle:
Definitiv die feinfühlige und sensible Art. Der Weisse Schweizer Schäferhund bemerkt Stimmungen und Veränderungen sofort. Auch seine Vielseitigkeit, der grosse Bewegungsdrang und die "Lust zu arbeiten" machen die Rasse aus. Wenn ein gutes Mass zwischen Arbeit und Ruhe besteht, dann ist der Schäferhund glücklich. Und ja, Ruhe ist von Beginn an enorm wichtig. Denn der Schweizer Schäferhund ist stark menschenbezogen und bringt einen gewissen Hang zu Kontrollverhalten mit, oder übernimmt auch gerne mal ungefragt die Verantwortung. Unter Rasseliebhabern und in Foren wird die Rasse oft als «weisser Schatten» bezeichnet – was sehr treffend ist; denn wenn er darf, folgt dir der Weisse Schäferhund auf Schritt und Tritt überall hin, wie ein Schatten. Wird dieses Kontrollverhalten zu stark ausgelebt, kommt der Schweizer Schäferhund gar nicht so leicht zur Ruhe. Und diese Ruhe ist als Ausgleich zur sonst hohen Aktivität sehr wichtig, nur wird die Ruhe vielen Schweizer Schäferhunden aber eben nicht in die Wiege gelegt.

  

Gesundheit

Von Anfang an wurde penibel auf das Ausmerzen möglicher genetischen Krankheiten geachtet. Daher erfreut sich der weisse Hund einer guten, robusten Gesundheit. Der Weisse Schweizer Schäferhund kann daher gut und gerne 12 Jahre alt oder mehr werden. Vorkommen können Krankheiten dennoch. Schäfer-typisch findet man gelegentlich HD/ED, MDR1 oder Augenkrankheiten.

 

Was ist der grösste Irrtum, wenn es um Weisse Schweizer Schäferhund geht?
Michèle:
Oft wird der Weisse Schweizer Schäferhund aufgrund seiner Fellfarbe stark unterschätzt. Aber er ist und bleibt ein Schäferhund mit all seinen unterschiedlichen Ausprägungen. Klar gibt es Unterschiede zur Rasse des Deutschen oder Belgischen Schäferhundes; dennoch ist dem Weissen seine Klassifikation als Hüte- und Treibhund nicht abzusprechen. Er benötigt eine klare, ruhige und vor allem eine feinfühlige Führung und (wie bereits betont) eine Aufgabe im Sinne von geistiger und körperlicher Beschäftigung. Bei fehlender Führung übernimmt er diese ansonsten gerne selbst.
Auch wird dem Weissen Schweizer Schäferhund oft nachgesagt, dass er grundsätzlich ängstlich sei. Dies erlebe ich nicht so. Allerdings können Schweizer Schäferhunde eine gewisse Skepsis mitbringen und sind oft sensibel. Diese Kombination macht eine gute Gewöhnung und Sozialisierung als Basis umso wichtiger, damit der Schweizer Schäferhund «sattelfest» mit seiner Umwelt wird. Die erwähnte Skepsis muss keinesfalls Angst oder Unsicherheit bedeuten – richtig kanalisiert kann dieses «erst schauen und überlegen» eine tolle Eigenschaft sein.

Nikos

 

Man sollte sich nicht täuschen lassen durch das schöne Erscheinungsbild. So viel der Weisse Schweizer Schäferhund auch mitbringt, so viel fordert er von seinen Besitzern. Man sollte sich bewusst sein, dass man sich einen Hund holt, der tolle Eigenschaften mitbringt, man diese aber auch hegen und fördern muss. Zudem ist der Hund nur glücklich, wenn er nicht auf der Couch verkümmert, sondern wenn er ein aktives Leben an der Seite seiner Menschen führen darf.