Rasseportrait – Berner Sennenhund

Der wohl kuscheligste Vertreter der Sennenhunde ist ganz klar der Berner Sennenhund. Doch wie viel Kuschelhund steckt hinter dieser flauschigen Fassade? Hierzu habe ich eine Berner Sennenhund-Kennerin, Ursi M., befragt. Sie trainiert mit ihren zwei Bernern, Kyra-Luna und Ruwani vom Breitland, mit Mila und mir in unserer Hundesport-Gruppe.

Einfach nur „Jöööh“

Herkunft

Der Berner Sennenhund kommt, wie sein Name schon andeutet, ursprünglich aus dem Kanton Bern, wo er als Zug-, Treib- und Wachhund gebraucht wurde. In Anlehnung an die Region, wo er als erstes gezüchtet wurde, nannte man die Rasse erst „Dürrbächler“. Die Rasse verbreitete sich dank seiner Anpassungsfähigkeit schnell auf der ganzen Welt. Doch besonders in der Schweiz erlangten diese tollen Hunde einen besonderen Status.

Warum hast du dich in diese Rasse verliebt?
Ursi M.: Verliebt hatte sich zuerst mein Mann. Ich hatte zuerst mit einem Aussi geliebäugelt. Doch inzwischen kann ich es mir ohne meine Bären nicht mehr vorstellen. Ich liebe es, mit ihnen Dinge zu unternehmen und dann in ihre aufmerksamen, freudigen Augen zu schauen. Ich bin auch etwas stolz, dass unsere „Kleine“ neben SpassSport in zwei Sportarten aktiv ist, die eher Berner-atypisch sind. Dank einer lieben Freundin durften wir in Dummy-Sport schnuppern und sind heute noch mit grosser Freude dabei. Nun starten wir zusätzlich HoopAgi. Diese Sportart hat im Gegensatz zu Agility keine Sprünge und ist nicht zeitrelevant. Somit trainieren wir auch hier mit sehr grosser Freude.

Der Berner beim Ziehen eines Milchwagens.

Aussehen

Das lange, leicht wellige Deckhaar lädt zum Durchknuddeln ein. Die schöne Färbung bildet sich aus dem Hauptteil in Schwarz, der weissen Blässe über das Gesicht und die Brust, weisse Pfoten, so wie die rostbraunen Farbflecken über den Augen, an den Backen und den Pfoten. Idealerweise hat der Hund noch eine weisse Schwanzspitze. Das Stockmass schwankt zwischen 58 cm und 70 cm. Der kräftige Körperbau ist gut proportioniert und zeichnet sich durch einen geraden Rücken und eine breite, tiefe Brust aus. Das bärige Aussehen verhilft dem stattlichen, robusten Hund zu grosser Beliebtheit. Natürlich muss das dichte Fell regelmässig gepflegt und gebürstet werden. Es schützt den Hund aber besonders bei rauem Wetter vor Nässe und Kälte.

Kyra fühlt sich im Schnee pudelwohl.

Charakter

Der Berner Sennenhund zeichnet sich durch einen wesensfesten, gutmütigen und beständigen Charakter aus. Trotz seiner ursprünglichen Aufgabe als Wachhund auf dem Hof, ist er Fremden gegenüber nicht aggressiv, sondern eher aufgeschlossen. Er ist zudem sehr auf seinen Menschen bezogen und braucht die Nähe. Durch sein sanftmütiges Wesen und seine ruhige Art kommt er sehr gut im Alltag zurecht und ist unerschrocken, auch in neuen Situationen. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, der Hund sei träge, zeigt sich der Berner als sehr vielfältig und arbeitswillig. Mit Kindern kommt er in der Regel sehr gut aus, gerade auch, weil er ein sehr geduldiger und sicherer Hund ist. Artgenossen können dem sonst eher ruhigen Hund auch mal ein wildes Spiel entlocken. Allgemein ist der Berner Sennenhund ein sehr umgänglicher Hund.

Ruwani bei der Dummyarbeit.

Was macht für dich den Berner Sennenhund aus?
Ursi M.: Der Berner sollte unter anderem aufmerksam, wachsam, gutmütig und anhänglich sein. Zu Hause haben wir somit den perfekten Schmusetiger und auf dem Spaziergang einen gutmütigen und friedlichen Hund. Der Berner will auch Teil der Familie sein und freut sich über jegliche gemeinsame Aktivität. Trotz mittlerem Temperament kann man dennoch sehr vielfältig mit ihm arbeiten. Richtig verpackt (positive Verstärkung) lässt sich der Berner Sennenhund für vieles begeistern. Er ist sicher kein Spitzen- sondern ein perfekter Breitensportler.

Der „gemütliche Berner“ in Action.

Haltung

Wie schon erwähnt, braucht der Hund seine Familie um sich herum, sonst verkümmert er. Auch fordert er als ursprünglicher Arbeitshund eine Aufgabe. Diese kann in diversen Beschäftigungsmöglichkeiten ausgelebt werden. Der Berner verbringt gerne Zeit draussen und man kann mit ihm durchaus auch ausgedehnte Spaziergänge machen. Ein ausdauernder Läufer ist er aber nicht. Eine artgerechte Auslastung und genügend Beschäftigung sind bei diesem intelligenten Hund ein Muss.
Wind und Wetter machen ihm dank seinem robusten Fell gar nichts aus. Kühle Temperaturen liegen im besser als die warmen Tage. Die meisten Berner Sennenhunde lieben es, sich im Wasser abzukühlen. Obwohl der Berner eher ein gemütlicher Hund ist, braucht er dennoch eine gute Führung und Erziehung. Sonst können die gut 36-50kg schweren Hunde früher oder später zum Problem werden.

Für welche Leute ist der Berner Sennenhund geeignet?
Ursi M.: Der Berner Sennenhund ist ein idealer Familienhund, sofern man genug Platz für ihn hat. Zu Hause ist das gar nicht übermässig nötig, da er stets die Nähe des Menschen sucht. Doch wenn man mit dem Berner gerne unterwegs ist, dann benötigt man ein grosses Auto. Da der Hund ein langes Haarkleid hat, muss man sich bewusst sein, dass sich diese Haare auch im Haus verteilen. Tägliches Staubsaugen/Moppen ist unumgänglich. Wenn man ihm als junger Hund Leinenführigkeit beibringt, dann benötigt man praktisch keine Kraft, wenn er erwachsen ist. So gibt es zierliche Frauen, die gleichzeigt ohne Probleme drei Berner führen.

Gesundheit

Auf Grund seines stämmigen Körperbaus sollte der Berner Sennenhund in den Anfangsmonaten, wie jeder grosse Hund, geschont werden. Sprünge, Treppensteigen und andere belastende Tätigkeiten können sich frappant auf die gesunde Entwicklung des Knochenbaus, der Gelenke und Bänder auswirken. Da lohnt es sich, Geduld zu haben, damit einer gesunden Entwicklung nichts im Weg steht. Dafür hat man anschliessend einen Hund, der länger fit ist.

Dieser Junghund ist noch in der Wachstumsphase.

Trotz seriöser Züchtung und bereits jahrelanger, strategischer Ausschliessung von erblich bedingten Krankheiten sind die Berner Sennenhunde auf folgende Krankheiten (Vererbung oder äussere Umstände) anfällig:

  • Maligne Histiozytose
  • Nierenerkrankungen
  • Hüftgelenksdysplasie (HD)
  • Ellenbogengelenksdysplasie (ED)

Gerade auf Grund des mächtigen Körperbaus sollte immer auf das Gewicht geachtet werden, damit keine überschüssigen Kilos den Knochenbau belasten. Ausserdem empfiehlt es sich, gezielte Übungen zur Erhaltung der Muskulatur und der Beweglichkeit zu machen, bevor die natürliche Degeneration eintritt.
Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt zwischen 6-8 Jahren.

Mila mit ihren liebsten Bodyguards, Kyra und Ruwani.

Was ist der grösste Irrtum, wenn es um Berner Sennenhunde geht?
Ursi M.: Wenn man meint, dass sie „nur“ Hofhunde seien und keine Freude am Lernen haben. Eine Bekannte gab mir einst den Tipp, dass ich dem Berner nie mehr als 2x hintereinander dieselbe Aufgabe geben solle. Er stelle danach auf Durchzug. Zum Glück hatten mich meine Hunde eines Besseren belehrt.

Wie ihr seht, ist diese wunderschöne Schweizer Hunderasse sehr vielfältig und hat ihre Beliebtheit mehr als verdient. Ein zuverlässiger Begleiter für den Alltag, ein gutmütiger Familienhund und ein freudiger Arbeiter, was will man mehr?! Ein Hoch auf die Berner Sennenhunde.

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